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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Hilfe vom Großmeister

(Foto: @lmendrit/twitter)

Ein junger Physiker scheitert am Integral eines Produktes zweier Epsilon-Tensoren mit drei Riemann-Tensoren. Warum nicht einfach mal einen der besten Mathematiker der Welt um Rat fragen?

Von Patrick Illinger

Der werdende Jurist muss begreifen, was der Unterschied zwischen einer natürlichen und einer juristischen Person ist, der Bäckerlehrling muss sich einprägen, dass ein Baguette mit 550-Mehl besser gelingt als mit 405-Mehl. Meister fallen eben nicht vom Himmel. Das gilt auch für Physiker, die beim Erkunden der mathematischen Geheimnisse des Universums schon mal an der Frage steckenbleiben, ob das Integral eines Produktes zweier Epsilon-Tensoren mit drei Riemann-Tensoren proportional zu Q ist, wobei Q die Differenz mehrerer weiterer Tensorprodukte ist. Wer an diesem Punkt das Ende seiner Weisheit erreicht, kann in einen Zustand existenzieller Einsamkeit geraten. Schon der Zimmernachbar beschäftigt sich im Zweifel mit ganz anderen Tensoren.

Um den Überblick zu behalten, braucht es mitunter einen Hilferuf, vielleicht nicht an den Schöpfer selbst, aber dafür an den absoluten Großmeister des Fachs: Edward Witten, Mathematiker, Physiker, Träger der Fields-Medaille, sozusagen des Nobelpreises der Mathematik. Er hat unter anderem fünf verschiedene Superstring-Theorien und die elfdimensionale Supergravitation zur "M-Theorie" vereinheitlicht (nein, das ist keine Erfindung der Stadtwerke München).

Ein junger Physiker, der mit allerlei Tensoren kämpfte, schrieb also kürzlich Ed Witten via Twitter an, der dort als @witten271 unterwegs ist, was bereits einen Code an die Nerd-Welt sendet, denn die Zahl deutet nicht etwa auf den zweihunderteinundsiebzigsten Witten auf Twitter hin, sondern ist eine Hommage an die eulersche Zahl e, die wichtigste Konstante der Mathematik: 2,7182818284...

Witten antwortete dem Nachwuchsphysiker tatsächlich: "Schreibe das Produkt der beiden Epsilon-Tensoren als Summe der Produkte zweier Metrischer Tensoren ..." und so weiter. Der Nachwuchsphysiker konnte sein Glück kaum fassen und wünschte Witten ein langes Leben.

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© SZ/nas
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