Pferderennbahn Ascot So viel Nüchternheit war noch nie

Auf den Tag genau einen Monat nach ihrer Hochzeit besuchen Prinz Harry und Herzogin Meghan das Pferderennen in Ascot.

(Foto: Paul Childs/Reuters)

Das berühmteste Pferderennen der Welt macht gegen Alkohol mobil. Beim Debüt von Herzogin Meghan und vor den Augen der Queen sollten sich alle Besucher standesgemäß benehmen.

Von Björn Finke, London

Die Queen ist pünktlich, wie immer. Um 14 Uhr kommt sie mit einer Kutschenprozession an der Rennstrecke an, begleitet unter anderem von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Der Weg von Schloss Windsor zur Pferderennbahn Ascot ist nicht weit, und während Royal Ascot, der wichtigsten Rennwoche des Königreichs, möchte Elizabeth II., 92, auch diesmal keinen Tag verpassen. Das letzte Mal ist ihr das 1953 passiert.

Aber in diesem Jahr ist manches ein bisschen anders: Noch bevor die fünftägige Rennveranstaltung am Dienstag losgeht, führen Polizisten Drogenspürhunde an Tribünen, Bars und Toiletten vorbei. Bierverkäufer, die früher den Alkohol in Tanks auf dem Rücken zu durstigen Zuschauern trugen, sind keine mehr zu sehen. Dafür stehen an den Eingängen zum Gelände Sicherheitsleute mit Alkoholmessgeräten, die derangiert wirkende Besucher pusten lassen und ihnen - wenn nötig - den Einlass verwehren. So viel Nüchternheit war nie in Ascot.

Pferde, Hüte und royale Gäste

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Doch an der traditionsreichen Rennstrecke, 1711 gegründet, macht man sich Sorgen um die Sicherheit der Gäste. Und um den guten Ruf. In den vergangenen Wochen war es bei Pferderennen in Ascot und zwei anderen englischen Rennbahnen, Goodwood und Hexham, zu Massenschlägereien gekommen. Männer in schicken Anzügen, wie man sie an der Rennbahn gerne trägt, gingen aufeinander los. Befeuert von Alkohol oder anderen Rauschmitteln.

Einige Besucherinnen wetteifern um die exzentrischsten Kopfbedeckungen

Um derartige Szenen beim feinen Royal-Ascot-Wettbewerb zu verhindern, hat der Betreiber, die Ascot Authority, nun die Kontrollen verschärft. "Wir möchten, dass sich alle Gäste behaglich und sicher fühlen", sagt Firmenchef Guy Henderson. Royal Ascot ist die berühmteste und vornehmste Serie von Pferderennen im Königreich. Das hohe Preisgeld, in diesem Jahr umgerechnet 8,2 Millionen Euro, zieht die besten Jockeys und Rennställe an; insgesamt galoppieren mehr als 500 Pferde. 300 000 Besucher werden an fünf Tagen erwartet - in etwa so viele, wie bei allen anderen Rennen in Ascot zusammen. Auf den teuersten Plätzen müssen Männer Zylinder tragen, auch für Frauen gilt die Hut-Pflicht. Viele weibliche Besucher wetteifern um die ausladendsten und exzentrischsten Kopfbedeckungen. In den mehr als hundert Bars, Imbissbuden und Restaurants werden unter anderem 3500 Hummer, fünf Tonnen Lachs und 56 000 Flaschen Champagner verkauft, zudem 44 000 Flaschen Wein und 21 000 Krüge mit Pimm's-Likör-Longdrinks, so schätzt der Veranstalter.

Die Gäste dürfen also ruhig weiter Alkohol trinken, doch eben nicht so viel, dass sie aggressiv werden. Und sie sollen keine anderen Drogen nehmen. Die Polizei setzt mindestens 20 Drogenspürhunde ein, und vor den Eingängen stehen Boxen, in denen Besucher ihre illegalen Rauschmittel entsorgen können, ohne Strafen befürchten zu müssen.

Auf Bierverkäufer mit Tanks auf dem Rücken zu verzichten, ist allerdings durchaus umstritten bei den Besuchern. Die Ascot Authority räumt ein, dass dies zu längeren Warteschlangen an den Bars führen könnte - was wiederum Streits und Rangeleien provozieren kann. Aber dass diese mobilen Verkäufer überall Bier ausschenkten, habe eine falsche Botschaft gesandt, sagt ein Firmensprecher. Ob die neue Botschaft in ihrer Nüchternheit von der pferdenärrischen britischen Oberschicht verstanden wird, das wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

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