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SZ-Serie "Ein Anruf bei ...":"Dass mir nix hard aussprechen können, ist ja bekannt"

Bibel auf Fränkisch

Pfarrer Claus Ebeling will zusammen mit etwa 90 sprachbegeisterten Fränkinnen und Franken die Bibel in Mundart übersetzen.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Aus Gott wird Godd: Die Bibel soll es bald auch auf Fränkisch geben. Ein Gespräch mit Pfarrer Claus Ebeling, der das Übersetzungsprojekt leitet - und findet, dass bei der Lektüre durchaus geschmunzelt werden darf.

Interview von Clara Lipkowski

Wenn der Herrgott zum Herrgodd wird und "der Mose midm ganzen Volk vo Ägypten abhaud", waren Fränkinnen und Franken am Werk. Sie wollen die Bibel neu übersetzen, ausgerechnet ins "Fränggische". 90 Menschen arbeiten daran, 2023 soll das Werk erscheinen. Warum um Himmels willen? Anruf bei Claus Ebeling, 54, seit 24 Jahren Pfarrer im mittelfränkischen Lichtenau, der die Übersetzungen editiert.

SZ: Die Bibel auf Fränkisch, wie kommt man auf so eine Idee?

Claus Ebeling: Die Idee gibt's schon lange. Mit dem Arbeitskreis "Mundart in der Kirche" übertragen wir seit 26 Jahren die christliche Botschaft in Mundart, auch für Goddesdienste in Mundart oder ein Gesangbuch. Deshalb lag es nahe, auch eine Mundart-Bibel herauszugeben. Im Frühjahr haben wir dann einen Aufruf gestartet. 90 Menschen aus Franken übersetzten jetzt in ihrer Mundart je einen Teil der Bibel.

Die jüngste Übersetzerin ist 16, der älteste Übersetzer 86. Soll das Ganze sprachlich einheitlich werden?

(Lacht.) Auf gar keinen Fall. Hauptsache, es ist leicht lesbar. Die Bibel ist für alle mit fränkischer Muttersprache gedacht. Sie soll verständlich sein, für jemanden aus der Rhön genauso wie aus Ansbach. Da kann das Wort Psalm auch Psalm bleiben. Oder nehmen wir Kraut. Das könnte Kraud werden, das ist vom Wortbild her klar. "T" zu "D" zu machen ist ja unser Markenzeichen. Dass mir nix hard aussprechen können, ist ja bekannt. Außer das Wort Garage, wo der Franke sagt: Karasch.

Jetzt kriegen Sie lauter fränkische Bibeltexte zugeschickt. Was korrigieren Sie dann so?

Also, es gibt ja keine Rechtschreibung im Fränkischen, es ist fast alles erlaubt. Was aber gar nicht geht, ist, wenn einer die Pfade der deutschen Rechtschreibung komplett verlässt. Und zum Beispiel "von" zu "fo" macht: "Wie der Mose fo Ägypten rauzogn is."

Hm, Mose ist also nicht "fo Ägypten rauszogn"?

Besser wäre: Wie der Mose midm ganzen Volk vor Ägypten abg'haud is.

Es darf bei der Bibellektüre also auch ein bisschen gelacht werden.

Ja. Aber skurril soll es nicht sein. Sondern normale Alltagssprache. Im besten Sinn wie der Martin Luther das als Kriterium genommen hat, als er 1521 auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche übersetzt hat: "Dem Volk aufs Maul schauen." Nah an den Herzen der Menschen soll es sein. Und wenn ich auch Schmunzler erzeuge, passiert ja viel beim Menschen.

Und wenn jetzt Kain seinen Bruder totschlägt, schlägt er ihn dod, ja?

Sagen Sie mir nochmal kurz die Bibelstelle, 1. Buch Mose...?

... Sekunde... Genesis 4, Vers 8. Da sprach Kain zu seinem Bruder...

"Magst nit emal mit mir gehe und mei Äcker anschaue?" Aber kaum warns draus ankomme, is er übern Abel hergfalln und hat sein Bruder erschlagn (lacht). Das ist jetzt Unterfränkisch.

Ok, jetzt mal seriös gefragt. Wollen Sie damit Menschen zurück zur Kirche holen?

Kirchenaustritte haben ja viele Gründe. Unser Wunsch ist es schon auch, Glauben wieder zu wecken. Aber was ja auch schön ist dabei: Eine Frau schreibt, sie hätte mal ihre Nachbarin gefragt, wie die das übersetzen würde, und dann hat noch eine Freundin gesagt, komm', wir setzen uns zu dritt dran. Da machen sich drei Menschen Gedanken über die Bibel.

Sie selbst sprechen ja hochdeutsch.

Ich bin aus dem Knoblauchsland, einem Dorf, das heute zu Nürnberg gehört. Fränkisch hat meine Mutter mit mir geredet. Meine Großmutter oberbairisch.

... und da wurde es kompliziert?

Ach, mein Vater hat dann ja auch auf Oberbairisch umgeschaltet. Und in der Schule war dann natürlich irgendwann Standard-Deutsch dran.

Zum Schluss noch einen oberbairischen Satz, bitte.

Ich hätte einen aus der Bibel.

Ach so, ja klar.

Sie hod des Biabal in an Schoaßhodern eigfatschd und in a Kripperl einegleegt. Weils in de Wiätsheiser koan Blootz mehr kriagt hom. Das ist aus der Weihnachtsgeschichte.

Und die fränkische Bibel erscheint dann deutschlandweit?

Ha, ich weiß nicht, wie erfolgreich man damit deutschlandweit sein kann. Aber wir möchten auch noch Fotos aus fränkischen Kirchen zeigen. Wir lassen uns Zeit, damit alles richtig schön wird.

© SZ/nas
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