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Penis-Affäre:"Als ob es nichts Schlimmeres gibt!"

Ein Anruf beim Chef des Fußball-Bezirksligisten VfvB Ruhrort/Laar, der wegen eines männlichen Geschlechtsteils derzeit am Fußball schier verzweifelt.

Eigentlich ist Hartmut Cordruwisch Geschäftsführer einer Bochumer Firma für Antriebsmechanik. In seiner Freizeit aber ist Cordruwisch auch Chef des Fußball-Bezirksligisten VfvB Ruhrort/Laar. Dieser Job kostet ihn in der letzten Zeit viele Nerven. Sein Spieler Ö., 23, nämlich hat jüngst beim obligatorischen Gruppenbild zum Saisonstart vor der Lokalpresse den Blick auf seinen Penis freigegeben.

Es sollte nur ein Spaß sein, was Ö. da auf dem Mannschaftsfoto tat. Dann aber veröffentlichte eine Zeitung unzensiert das Bild - jetzt hat Ö. ein Problem.

(Foto: Foto: NRZ)

SZ: Herr Cordruwisch, wie schlimm ist es, wenn ein türkischer Bezirksliga-Spieler seinen Penis zeigt?

Cordruwisch: Das Zeigen ist nur die eine Sache. Viel größer wird das Problem dadurch, dass es Zeitungen gibt, die das Bild unzensiert und groß veröffentlichen und dadurch eine mediale Lawine lostreten, die mich seit Wochen von der Arbeit abhält. Ich verspreche Ihnen: Dies wird mein letztes Interview in dieser Angelegenheit sein! Ich mache das hier schließlich alles ehrenamtlich.

SZ: Herzlichen Dank. Hat sich denn - neben dem Spieler Ö. - auch die Zeitung schon bei Ihnen entschuldigt?

Cordruwisch: Nee. Die sagen: Wenn der die Hose nicht hochgezogen hätte, dann wäre das Bild ja auch nicht so ins Blatt gekommen. Wissen Sie: Das war ein Pressetermin mit drei Fotografen, die das wahrscheinlich alle mitbekommen haben. Aber nur eine Zeitung, die NRZ nämlich, hat dieses Bild gedruckt. Ob aus Überforderung der Redakteure oder aus Unfreundlichkeit gegenüber uns - das kann ich nicht beurteilen.

SZ: Wie waren die Reaktionen auf die Veröffentlichung des Bildes?

Cordruwisch: Vor genau einem Monat, am Tag des Erscheinens des Fotos, rief mich die Zeitung an und machte mich auf ihren Lapsus aufmerksam. Der Journalist meinte gleich: Jetzt müsst ihr den Spieler aber rausschmeißen! Da hab ich gesagt: Moment! Ruhe bewahren!

SZ: Und dann?

Cordruwisch: Auf unserer Internetseite veröffentlichten wir eine Entschuldigung des Spielers und erklärten, dass Ö. nun eine - für ihn drastische - interne Strafe aufgebrummt bekommt.

SZ: Aber da ermittelte schon die Kriminalpolizei wegen sittenwidrigen Verhaltens gegen Herrn Ö.

Cordruwisch: Ja. Inzwischen kursierte das Bild auch im Internet. Und vor allem die Fernsehsender hielten das Thema permanent am Laufen.

SZ: Und dann kam die Stunde der Funktionäre?

Cordruwisch: Als ich dachte, jetzt sei es endlich mal ruhig, meldete sich die Bezirksspruchkammer und teilte mir mit, dass Ö. vorläufig gesperrt sei.

SZ: Bundesweit ist das die erste Sperrung eines Spielers wegen eines solchen Vergehens?

Cordruwisch: Ja. Kommende Woche soll über den Fall verhandelt werden. Ö. droht eine Strafe von vielleicht drei Monaten. Als ob es nichts Schlimmeres gibt! Wenn einer den Schiedsrichter angreift, wird der nicht so angegangen wie Ö., der schon seit zwei Spielen gesperrt ist.

SZ: Ist das von den Funktionären nicht ein bisschen übertrieben?

Cordruwisch: Ich finde schon. Der Ö. hat doch gar nicht mit diesen Konsequenzen gerechnet. Durch das Bild hat der junge Mann, der aus einer muslimischen Familie stammt, schon genug Probleme. Auch auf seiner Arbeit wird er deshalb angegangen. Das spricht sich ja rum. Ist doch klar, dass wir so einen nicht im Regen stehen lassen und auch weiter mit ihm trainieren. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Offiziellen die Verhältnismäßigkeit bewahren und ihn bald wieder spielen lassen.

SZ: Was sagt Ihr Sponsor zum Fall Ö.?

Cordruwisch: Die sagen: Das ist eigentlich die beste Werbung, die man haben kann.

SZ: Und die Polizei? Ermittelt die immer noch gegen Herrn Ö.?

Cordruwisch: Unser Anwalt sagt, dass das Verfahren wegen sittenwidrigen Verhaltens wahrscheinlich wegen Geringfügigkeit eingestellt wird.