FrankreichParis ist schön, aber noch nicht schön genug

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Die Boulevards, die Parkbänke, Trinkbrunnen, Abfalleimer – vieles in der französischen Hauptstadt ist ikonisch.
Die Boulevards, die Parkbänke, Trinkbrunnen, Abfalleimer – vieles in der französischen Hauptstadt ist ikonisch.
Mika Volkmann/IMAGO
  • Der neue Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire gibt ein „Recht auf Schönheit" aus und will das historische Stadtmobiliar neu sortieren.
  • Das Manifest kontert Kritiker, die Paris unter dem Hashtag #SaccageParis als im Niedergang begriffen darstellen.
  • Die 33-jährige Lily Munson soll als Planerin das ikonische Stadtmobiliar wie die Davioud-Bänke und die Metro-Eingänge pflegen.
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Der neue Bürgermeister gibt ein „Recht auf Schönheit“ aus, samt Manifest. Damit kontert er die Nörgler, die die Stadt im Niedergang sehen. Ist das wirklich nötig?

Von Oliver Meiler, Paris

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Wenn die Welt an Paris denkt, so viel pauschalisierende Annahme soll in diesem Fall erlaubt sein, dann denkt sie zuallererst an die schöne Anmut dieser Stadt. An die Eleganz ihrer historischen Monumente, Museen, oftmals auch ihrer Menschen. An ihre Parks, ihre Plätze, ihre Hinterhöfe. Und an die Pracht ihrer Häuserzeilen, von denen viele die Handschrift von Baron Haussmann tragen, einem Präfekten und Stadtplaner im 19. Jahrhundert, der Paris ein einheitliches Bild verpasste. Jede Straße ist ein Refrain.

Das war nicht allen lieb, damals, zu seiner Zeit. Heute aber mag sich niemand mehr diesen Stil, die Haussmann’sche Linie, wegdenken. Paris ist objektiv schön, es legt sich sanft aufs Auge.

Zur unmittelbar erkennbaren Identität von Paris gehört auch, was Urbanisten das Stadtmobiliar nennen, also alle alltäglichen Objekte im öffentlichen Raum. Etwa die grünen Parkbänke des Architekten Gabriel Davioud mit ihrer schmalen, nicht gerade bequemen Rückenlehne zwischen zwei Sitzflächen. Oder die dunkelgrünen Trinkbrunnen mit ihren gusseisernen Skulpturen, die „Fontaines Wallace“, die es auch anderswo gibt, allerdings nirgendwo so viele wie hier: 108. Oder die ikonischen Zugänge zur Metro von Hector Guimard mit ihren verspielt geschwungenen und blumigen Zügen: Art Nouveau! Und die Pariser Kandelaber, die fein ausgerichteten Bäume der Boulevards, die Abfalleimer.

Ein Metro-Eingang im Design von Hector Guimard auf dem Hügel von Montmartre.
Ein Metro-Eingang im Design von Hector Guimard auf dem Hügel von Montmartre.
Laurent Davoust

Emmanuel Grégoire, der neue Bürgermeister von Paris, will diese Stadtmöbel nun neu sortieren, oder um es profaner zu sagen: Er will aufräumen und dabei das historische Design pflegen, die Linie. Die Pariser, sagt er, hätten ein „Recht auf Schönheit“. Und die Welt natürlich gleich mit. Leiten lässt sich der Sozialist dabei von einem Manifest in vier Bänden, das er 2022, als er noch Vize der früheren Bürgermeisterin Anne Hidalgo war, selbst verfasst hatte – es heißt: „Paris – Manifeste pour la beauté“.

Ganz anlasslos schrieb er das nicht. Das Manifest ist ein Konter gegen die Nörgler. Paris wäre nämlich nicht Paris, würde nicht ständig an allem herumgekrittelt werden, an jedem Neubau, jedem neuen Radweg. Besonders militant sind dabei die Bewahrer des historischen Kulturguts. Wenn man ihnen zuhört, bekommt man den Eindruck, Paris dämmere seinem Niedergang entgegen. Die Schönheit? Verweht. Vor einigen Jahren begann eine Kampagne unter dem Hashtag „SaccageParis“ in den sozialen Medien, etwa: die Verwüstung von Paris. Mit Bildern und Videos unhübscher, vermüllter Ecken. Klar, die gibt es auch. Aber was wird da übertrieben.

Grégoire setzt jetzt also um, was er schon seit Jahren in sich trägt. Die typischen und mittlerweile verlassenen Zeitungskioske sollen eine neue Bestimmung erhalten. Da, wo Parkbänke von Davioud durch hässliches neues Mobiliar ersetzt wurden, soll wieder Davioud hin. Die Place de la République, erst 2013 renoviert, soll noch schöner und noch grüner werden. Die Place de la Concorde sowieso. Und noch viel mehr.

Eine Zuständige für das Schöne hat Grégoire auch schon gefunden. Sie heißt Lily Munson, ist 33 Jahre alt, Städteplanerin, und soll bald beginnen.

Lily Munson soll Paris in höhere Sphären der Schönheit überführen.
Lily Munson soll Paris in höhere Sphären der Schönheit überführen.
IMAGO/LP / Olivier Lejeune (Staff)/IMAGO/MAXPPP

In einem Interview mit Le Parisien sagte Munson: „Das städtische Mobiliar von Paris ist ikonisch. Die Geschichte lastet auf uns und trägt uns zugleich.“ Nun, vor allem trägt sie uns, Paris und die Welt, in Schönheit.

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