Paris Lange Finger, fette Beute

Der Eiffelturm, Symbol von Paris und Arbeitsplatz einer gerissenen Bande von Taschendieben, die auf großen Fuß lebten.

(Foto: Yoan Valat/dpa)

In Paris wird eine besonders gerissene und aggressive Bande von Taschendieben gefasst, die seit zwei Jahren aktiv war. Ihre Mitglieder prahlten mit Luxusuhren und fuhren mit dem Taxi zur Arbeit.

Von Christian Wernicke, Paris

Sie lebten in besseren Hotels am Pariser Stadtrand, fuhren per Taxi zu ihrem Arbeitsplatz auf dem Eiffelturm oder im Schloss von Versailles. Und sie nahmen pro Tag bis zu 4000 Euro ein, netto. Jetzt aber hat die Polizei den Spaß beendet: Nach neunmonatigen Ermittlungen sitzen die acht Drahtzieher der "Pickpockets" nun in Untersuchungshaft. Die Bande gerissener Taschendiebe hatte seit beinahe zwei Jahren Jagd auf Portemonnaies von Touristen gemacht.

Die Razzia der Polizei erfolgte nur sechs Tage, nachdem Mitarbeiter des Eiffelturms mit einem Streik auf die miserable Sicherheitslage auf dem weltberühmten Bauwerk aufmerksam gemacht hatten. Gewerkschafter berichteten, das Wach- und Bedienungspersonal sei "von den immer aggressiver agierenden Kriminellen" wiederholt attackiert worden. In einem Fall soll einem Angestellten gar mit Mord gedroht worden sein: "Man hat ihm zugeflüstert, er solle die Diebe gefälligst in Ruhe arbeiten lassen, andernfalls werde man ihm nach der Arbeit auflauern und ihn fertigmachen", erzählte ein Mitarbeiter. Täglich wollen bis zu 35 000 Besucher auf den Eiffelturm, drei Viertel davon kommen aus dem Ausland.

Die Polizei betonte, es sei "reiner Zufall", dass ihr Zugriff so kurz nach dem Streik erfolgt sei. Die Bande sei seit September vorigen Jahres überwacht worden, zeitweise wurden ihre Handys abgehört. "Wir wollten nicht einzelne Diebstähle, sondern das ganze System auffliegen lassen", erklärten die Ermittler, die auch eng mit der rumänischen Botschaft in Paris kooperierten. Denn alle Täter, sagten die Ermittler französischen Journalisten, stammten aus Rumänien. "Sie gehören demselben Familien-Clan an", berichtete ein Beamter, alle Mittäter im Alter zwischen 17 und 47 Jahren zählten "zu einer Gemeinschaft von Zigeunern".

Jeder Taschendieb habe monatlich um die 3000 Euro nach Hause überwiesen, wo Verwandte das Geld in Immobilien investierten. In Paris lebten die Täter auf großem Fuß: Im Internet prahlten sie mit Luxusuhren, allein 2014 addierten sich ihre Hotelrechnungen auf über 130 000 Euro. Die Täter, meist selbst als Touristen auftretend, agierten meist zu dritt. Einer lenkte sein Opfer ab, indem er um eine Auskunft oder um ein Selfie bat. Ein Zweiter griff derweil in Jackentaschen oder Rucksack, um die Beute dann einem Dritten zuzustecken. Das Netzwerk zielte besonders auf Touristen aus Asien: Die stehen in Paris im Rufe, stets viel Bargeld bei sich zu tragen.