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Paris:Französische Modekonzerne veröffentlichen Regeln für Models

FILE PHOTO: Models present creations by Belgian designer Raf Simons as part of his Spring/Summer 2013 women's ready-to-wear fashion show for French house Dior during Paris fashion week

Die Kleidergrößen 32 für Frauen und 44 für Männer sollen von nun an tabu sein.

(Foto: REUTERS)
  • Nach jahrelangen Debatten um Magermodels auf Laufstegen haben sich französische Dachkonzerne bekannter Modemarken auf gemeinsame Regeln verständigt.
  • Um Gesundheitsgefährdungen zu verhindern, müssen Models künftig eine Bescheinigung vom Arzt vorlegen, die nicht älter als sechs Monate sein darf.

Die Dachkonzerne bekannter Modemarken wie Gucci, Saint Laurent und Dior haben eine gemeinsame "Charta für das Wohlbefinden von Models" verfasst. Unter anderem sind Models von nun an dazu verpflichtet, vor Fotoshootings oder Fashion-Shows eine aktuelle ärztliche Bescheinigung vorzulegen. Die Kleidergrößen 32 für Frauen und 44 für Männer sollen tabu sein.

In dem Regelwerk haben die weltweit agierenden Konzerne Kering und LVMH zudem festgelegt, dass ihre Models während der Arbeitszeit Anspruch auf einen Psychologen haben, falls es erforderlich ist. Unter-16-Jährige dürfen nicht mehr für Aufnahmen oder Laufstegjobs engagiert werden, um Erwachsene darzustellen. Engagements nach 22 Uhr sind für Minderjährige verboten - außerdem müssen sie stets von einer Aufsichtsperson begleitet werden. Modemarken haben sich zu versichern, dass die jungen Models ihrer Schulpflicht nachkommen.

"Wir haben die Verantwortung, in der Fashionwelt neue Standards zu schaffen", schreibt Antoine Arnault, Vorstandsmitglied von LVMH. "Wir hoffen, dass andere Akteure unserem Beispiel folgen." Sein Kollege François-Henri Pinault, CEO von Kering, hofft auf einen weltweiten Effekt: "Wir wollen die gesamte Modeindustrie inspirieren, die Arbeitsbedingungen für Models wirklich zu verändern."

Bereits seit dem Frühjahr gilt in Frankreich ein Gesetz, das Models vorschreibt, ihre gesundheitliche Eignung nachzuweisen. Dafür müssen sie unter anderem ihren Body-Mass-Index angeben, der sich im Normalgewicht bewegen muss. Das Gesundheitsministerium will mit diesen Maßnahmen den Schlankheitswahn eindämmen und Magersucht bei Jugendlichen vorbeugen. Wer Models ohne Bescheinigung beschäftigt, dem drohen nach früheren Angaben sechs Monate Gefängnis und 75 000 Euro Strafe.

Frankreich ist nicht das erste Land, das einen Mindest-BMI für Models festlegt. In Spanien gibt es eine entsprechende Regelung seit 2006, in Italien verpflichteten sich einige Castingagenturen kurz darauf freiwillig, zu dünnen Models keine Jobs zu vermitteln. In Israel trat 2012 ein Gesetz in Kraft, nach dem Models vier Mal im Jahr nachweisen müssen, dass ihr BMI in einem gesunden Bereich liegt.

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