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Paralympics-Sprinter vor Gericht:Pistorius-Prozess auf Anfang Mai vertagt

Oscar Pistorius Is Tried For The Murder Of His Girlfriend Reeva Steenkamp

Der Prozess gegen Oscar Pistorius ist für zwei Wochen unterbrochen

(Foto: Getty Images)

2000 Seiten umfasst das Protokoll der ersten 24 Verhandlungstage, jetzt wird der Mordprozess gegen Oscar Pistorius erst einmal ausgesetzt. Die Richterin folgte einem Antrag von Staatsanwalt Nel und vertagte die Verhandlung.

Im Mordprozess gegen Paralympics-Sportler Oscar Pistorius wird es eine Verhandlungspause bis zum 5. Mai geben. Das hat Richterin Thokozile Masipa am Mittwochmorgen entschieden.

Masipa folgte damit einem Antrag von Staatsanwalt Gerrie Nel, der terminliche Probleme als Begründung angegeben hatte. Dass es wie geplant am 16. Mai zu einem Urteil gegen Pistorius kommt, erscheint damit unwahrscheinlich.

Bis zum Mittwoch, dem 24. Verhandlungstag, sind bereits 2000 Seiten Gerichtsprotokoll entstanden - Anklagebehörde und Verteidigung wollen die Pause für das Aktenstudium nutzen.

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Er trieb Oscar Pistorius an den Rand des Zusammenbruchs - und darüber hinaus. Fünf Tage lang hat Gerrie Nel, Beiname "der Pitbull", den wegen Mordes an seiner Freundin angeklagten Athleten verhört. Am Ende steht der Sportler alles andere als gut da.   Von Lena Jakat und Felicitas Kock

Nach der jetzt beschlossenen Unterbrechung ist Anfang Mai zunächst Nels Gegenspieler am Zug: Verteidiger Barry Roux will 14 bis 17 Zeugen befragen. Er wird versuchen, den Schaden wieder gutzumachen, den die Glaubwürdigkeit seines Mandanten beim Kreuzverhör genommen hat.

Staatsanwalt Nel hat Pistorius im Kreuzverhör mehrfach in die Enge getrieben. Er wirft dem Profisportler vor, seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2013 absichtlich getötet zu haben. Der zweifach beinamputierte Profisportler beteuert dagegen, er habe einen Einbrecher im Haus vermutet. Die vier Schüsse, die er durch die Toilettentür feuerte und die Steenkamp töteten, seien ein Unfall gewesen.

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Die Tage, die Pistorius im Zeugenstand aussagte:

  • Zunächst wird Pistorius von seinem Verteidiger, Barry Roux, befragt. Am ersten Tag berichtet er, wie oft er in der Vergangenheit Opfer und Zeuge von Gewaltverbrechen wurde. Die Aussage soll belegen, dass sich Pistorius nicht ohne Grund vor einem möglichen Einbrecher in seinem Haus fürchtete.
  • Der zweite Tag des 27-Jährigen im Zeugenstand geht hochemotional zu Ende; Pistorius schildert seine Beziehung zu Reeva Steenkamp und den Abend, an dem er seine Freundin erschoss - aus Versehen, wie er betont. Als er zu dem Moment kommt, in dem er sich über die blutende Reeva beugte, beginnt er laut zu weinen.
  • Nachdem der Sportler bislang recht frei seine Version der Tatnacht erzählen durfte, wird er am dritten Tag von Staatsanwalt Gerrie Nel ins Kreuzverhör genommen. Thematisiert wird auch ein Video, das Pistorius bei Schießübungen zeigt.
  • Um Pistorius' Beziehung zu Reeva Steenkamp, einen Streit auf einer Verlobungsparty, Schüsse im Restaurant und den Tatort geht es am vierten Tag des Angeklagten im Zeugenstand.
  • Am fünften Tag geht Staatsanwalt Gerrie Nel Pistorius aggressiv an: Wie konnte er nicht gewusst haben, dass seine Freundin in der Toilette war? "Sie wussten es. Und Sie haben sie erschossen." Der Angeklagte widerspricht - und Richterin Thokozile Masipa unterbricht den Prozess.
  • Am sechsten Tag geht Nel ins Detail - er zieht die eidesstattliche Aussage heran, die Pistorius 2013 machte, um auf Kaution freizukommen und zeigt Widersprüche in den Aussagen des Angeklagten auf.
  • Am siebten Tag lässt der Staatsanwalt Fotos des blutverschmierten Tatorts zeigen und bittet Pistorius, zu zeigen, wie dieser die Tür mit einem Kricketschläger aufbrach. Nachdem Pistorius aus dem Kreuzverhör entlassen ist, bittet sein Verteidiger Roux ihn noch darum, dass er die Valentinskarte von Reeva vorlesen soll, die sie ihm am Tag ihres Todes überreichen wollte.