Papstbesuch Pomp für den Papst

Franziskus besucht als erster Pontifex die Arabische Halbinsel. Seine Gastgeber preisen die Emirate als "Leuchtturm der Toleranz, Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens".

Von Matthias Drobinski und Dunja Ramadan

Willkommen in den Emiraten: Papst Franziskus mit dem Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid al-Maktoum.

(Foto: Vincenzo Pinto/AFP)

Zur Begrüßung donnerten die Kanonen, Militärflugzeuge jagten über den Papst hinweg, Reiter auf edlen Rössern begleiteten Franziskus zum marmorweißen Präsidentenpalast in Abu Dhabi - der Besucher aus Rom jedoch fuhr, seinem Bescheidenheitsideal folgend, mit einem koreanischen Wagen der unteren Mittelklasse vor. So begann der erste Besuch eines katholischen Kirchenoberhauptes in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf der Arabischen Halbinsel überhaupt, wo der Islam entstanden ist. Der Thronfolger in den Emiraten, Scheich Mohammed bin Zayed al-Nahjan, sagte, er sei erfreut, den Papst zu treffen. Die Emirate seien ein "Leuchtturm der Toleranz, Zurückhaltung und des friedlichen Zusammenlebens". Franziskus bedankte sich für den herzlichen Empfang und die Gastfreundschaft.

Anlass der Reise ist eine interreligiöse Konferenz hochrangiger islamischer Gelehrter, darunter auch Großimam Ahmad Mohammad Al-Tayyeb, Rektor der Kairoer Al-Azhar-Universität. Neben dem Papst sind dort auch Rabbiner eingeladen. Dort hielt Franziskus eine Ansprache: Es sei nun höchste Zeit, dass alle Religionen "einen aktiven Beitrag zur Entmilitarisierung des menschlichen Herzens" leisten. "Entweder wir bauen die Zukunft gemeinsam oder es gibt keine Zukunft", so der Papst. Zugleich verdammte er "das Wettrüsten, die Ausweitung der eigenen Einflussbereiche und eine aggressive Politik zum Nachteil anderer". Zuvor hatte sich der Papst über die Krise in Jemen geäußert. "Die Bevölkerung ist durch den langen Konflikt erschöpft und viele Kinder leiden unter Hunger, aber der Zugang zu den Lebensmittelgeschäften ist nicht möglich. Der Schrei dieser Kinder und ihrer Eltern erhebt sich zu Gott", sagte er in Rom. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rief den Papst dazu auf, Anführer des internationalen Drucks auf die Emirate zu sein.

Seinen dreitägigen Besuch schließt Papst Franziskus an diesem Dienstag mit einer Messe im größten Sportstadion des Landes ab. Etwa 130 000 Gläubige werden erwartet. Die Mehrheit der etwa zehn Prozent Katholiken sind Gastarbeiter aus Indien und den Philippinen. Sie reisen im Rahmen des "Kafala"-Systems ein. Einheimische agieren dabei als "Sponsoren", sie besorgen den arbeitsuchenden Ausländern das nötige Einreisevisum. Vor allem niedrig qualifizierte Arbeiter sind dann aber von der Gunst ihres Arbeitgebers abhängig und können ihren Job faktisch nur mit Zustimmung ihres Sponsors wechseln. Eine Minderheit unter den Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sind westliche Expats, die von der Steuerfreiheit im Land profitieren.

Im Gegensatz zu Ländern wie Saudi-Arabien können Christen in den Vereinigten Arabischen Emiraten Kirchen bauen und ihren Glauben ausüben. Die erste Kirche wurde Anfang der Sechzigerjahre gebaut. Der Kronprinz schenkte dem Pontifex die Urkunde für den Bau, datiert auf den 22. Juni 1963. Zuvor hatte der Papst dem Kronprinzen eine Medaille überreicht, die an die Begegnung des Heiligen Franz von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil vor 800 Jahren erinnert.