Papstbesuch in Brasilien:Viel versprochen, wenig gehalten

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Unversehrt fuhr Bergoglio dann mit dem Papa-Mobil zu Rios Regierungspalast Guanabara, wo Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff den Gast aus dem Vatikan empfing. Frau Rousseff trug ein blaues Kostüm, der Papst sein weißes Gewand, dahinter hingen die Fahnen ihrer Länder.

Es geht bei dieser Auslandspremiere von Joseph Ratzingers Erbe auch um Politik, obwohl er sich mit dem Thema zunächst zurückhielt. "Ich habe weder Gold noch Silber dabei", sprach der Bischof aus Rom auf Portugiesisch mit spanischem Einschlag, "aber ich bringe das Wertvollste, das mir gegeben wurde: Jesus Christus."

Schüchterne Bitte

Sein einziger irgendwie politischer Satz bei dieser zweiten Begegnung nach der Begrüßung am Rollfeld war dieser: "Die Jugend ist das Fenster, durch das die Zukunft in die Welt tritt, das stellt uns vor große Herausforderungen." Sie brauchten Sicherheit, Bildung, bleibende Werte und einen "transzendentalen Horizont".

Dilma Rousseff bat den Papst fast schüchtern um eine "weitreichende globale Allianz im Kampf gegen Hunger und Armut". "Wir wissen, dass der Hunger und der Durst nach Gerechtigkeit Eile haben. Die Wirtschaftskrise zwingt uns dazu, die Ungleichheiten mit neuer Dringlichkeit zu bekämpfen." Diplomatische Worte. Das Publikum will Taten sehen.

Viel hatte Dilma Rousseff nach der Revolte kürzlich versprochen. Wenig konnte sie halten, ihre zuvor überbordende Beliebtheit lässt unterdessen erheblich nach. Ihre hartnäckigsten Gegner sitzen im Parlament sowie in den eigenen Reihen. Ihr eilig verkündetes Projekt eines Plebiszits über allerlei Reformen blieb im Ansatz stecken, weil es vor den Präsidentschaftswahlen 2014 angeblich nicht durchführbar ist.

Es hakt

Die meisten Abgeordneten und Kumpanen wollen auch gar keinen Wandel, sie leben ausgezeichnet mit ihren herrlichen Löhnen und Privilegien, die Wähler auf die Barrikaden treiben. Unklar ist weiterhin, wie genau die Erlöse aus den mutmaßlichen Ölfunden im Meeresboden in Erziehung und Gesundheit fließen sollen. Der Transportplan hakt ebenfalls, und als die Präsidentin aus den Reihen der linken Arbeiterpartei PT den Bürgermeistern vor Kurzem in Brasília läppische drei Milliarden Reais (gut eine Milliarde Euro) versprach, da wurde sie ausgepfiffen.

Die Residenz von Rios Gouverneur Sergio Cabral im edlen Strandviertel Leblon wird derweil immer wieder belagert, Cabral schläft fürs Erste lieber woanders. Und draußen vor dem Guanabara-Palast flogen ein paar Gummigeschosse der Polizei und ein Molotow-Cocktail der Protestierer, die üblichen Scharmützel. Das Fernsehen blies den Zusammenstoß auf. Die Demonstranten versichern, dass es nicht gegen den Papst geht.

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