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Papstbesuch in Brasilien:Das Publikum will Taten sehen

Die Begeisterung in Brasilien für den neuen Papst ist groß. Dennoch gilt dessen erste Auslandsreise als riskant. Sein Besuch bietet den Unzufriedenen im Land neue internationale Aufmerksamkeit.

Plötzlich tauchte da dieser Sprengsatz auf, aber so dramatisch war es offenbar nicht. In einer Toilette des Wallfahrtsortes Aparecida zwischen Rio de Janeiro und São Paulo fand die Militärpolizei ein Plastikrohr mit Klebeband, offenbar eine selbstgebaute Bombe.

Sprengmeister brachten das Fundstück kontrolliert zur Explosion - "niedriges Verletzungspotenzial" meldeten die Experten, nie seien Zivilisten in Gefahr gewesen. Das musste gesagt werden, ehe Papst Franziskus an diesem Mittwoch in der monumentalen Marienkultstätte die erste große Messe bei seinem sechstägigen Besuch in Brasilien liest, vor mutmaßlich 200 000 Gläubigen. Denn trotz der brasilianischen Begeisterung für diesen neuen Pontifex gilt seine Reise als durchaus riskant.

Tausende Soldaten und Polizisten sind im Einsatz, Flugzeuge und Kriegsschiffe stehen bereit. Das ist Routine bei so einem hochrangigen Gast, vor allem jedoch hatten erst vor einem Monat Hunderttausende Brasilianer während des Konföderationen-Pokals im Fußball gegen Korruption, Geldverschwendung und schlechten öffentlichen Service protestiert. Seitdem sind die Kundgebungen deutlich kleiner geworden, trotzdem wird immer mal wieder irgendwo im Lande demonstriert.

Unzufriedenen bieten sich nun weitere Bühnen mit internationaler Aufmerksamkeit, zur Ankunft des Jorge Mario Bergoglio alias Franziskus gingen in Rio allerdings nur ein paar Brasilianer zornig auf die Straße. Außerdem gilt der Argentinier als deutlich leutseliger und spontaner als sein deutscher Vorgänger Benedikt XVI., das macht die Sicherheitsleute nervös.

Auf der Fahrt vom Flughafen zur Kathedrale verfuhr sich der Chauffeur seines Kleinwagens, auf den Franziskus Wert gelegt hatte. Zwischendurch steckte der Nachfolger Petri im Stau, das Volk bedrängte den Wagen, ohne dass ihn jemand unangenehm belästigt hätte. Er ließ sogar das Autofenster offen und bestätigte seinen Ruf des Charmeurs. "Das war ein etwas schwieriger Augenblick", fand sein Sprecher Federico Lombardi. "Aber es war der Moment, in dem der Papst den Enthusiasmus der Leute sehen konnte."

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