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Vatikan:Papst ernennt Konservative zu Kardinälen

Benedikt XVI. befördert den Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und den Theologen Karl Josef Becker. Woelki ist erst seit einem halben Jahr Erzbischof in Berlin, er gilt als äußerst konservativ und wird der weltweit jüngste Kardinal.

Matthias Drobinski

Rainer Maria Woelki, der Erzbischof von Berlin, wird Kardinal - das gab Papst Benedikt XVI. am Freitag in Rom bekannt. Die offizielle Ernennung findet dort am 18.Februar statt; der 55-jährige Woelki wird dann der weltweit jüngste Kardinal der katholischen Kirche sein. Auch den 83-jährigen Theologen Karl Josef Becker, der in Rom lebt, wird der Papst an diesem Tag zum Kardinal erheben; die Zahl der deutschen Purpurträger steigt damit auf neun.

Erzbischof Woelcki zum Kardinal ernannt

Erzbischof Rainer Maria Woelki Woelcki wurde zum Kardinal ernannt. Der gebürtige Kölner mit der markanten Brille übernahm im Sommer sein Amt in Berlin.

(Foto: dapd)

Dass Woelki Kardinal werden würde, war allgemein erwartet worden - seit Kriegsende hatten alle Berliner Bischöfe diesen höchsten innerkirchlichen Rang nach dem Papst erhalten. Die Ernennung erfolgt jedoch überraschend schnell. Papst Benedikt hatte den Kölner Weihbischof erst am 2. Juli zum Nachfolger des verstorbenen Kardinals Georg Sterzinsky gemacht und damit zum Erzbischof der 395.000 Katholiken, die in Berlin, Brandenburg und Vorpommern eine kleine Minderheit sind. Woelki selber zeigte sich überrascht. Er habe "nach den ereignisreichen ersten Monaten in Berlin" mit dem Besuch des Papstes im September nicht damit gerechnet, sagte er. Die Berufung sei für ihn, "für das Erzbistum und die katholische Kirche in Deutschland eine große Ehre", zudem eine "Ermutigung für alle Katholiken, die in der Diaspora leben".

Der künftige Kardinal gilt als theologisch konservativ; er hat an der "Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz" der Gemeinschaft Opus Dei promoviert und war Weihbischof unter dem Kölner Kardinal Joachim Meisner, der Führungspersönlichkeit des konservativen Flügels der deutschen Bischofskonferenz. In den ersten Monaten seiner Amtszeit in Berlin hat Woelki dieses Bild aber immer wieder durchbrochen. Er ist in den Arbeiterstadtteil Wedding gezogen, in dem viele Arme und Migranten leben; er traf sich mit Flüchtlingen und kritisierte die wachsende Armut in der Stadt.

Bei einem Treffen mit Vertretern der Schwulen- und Lesbenverbände verteidigte er die Haltung der katholischen Kirche, die praktizierte Homosexualität als Sünde ansieht, betonte aber, dass er damit kein Urteil über homosexuelle Menschen fällen wolle. Frauen sollten nach Ansicht des Erzbischofs häufiger leitende Aufgaben in der katholischen Kirche übernehmen - auch wenn sie nicht Priester werden könnten. In Interviews sagte Woelki, es werde künftig verstärkt ein "Entscheidungschristentum" geben, deshalb würden kleine, entschiedene Gemeinschaften in der Kirche wichtiger werden.

Karl Josef Becker, der zweite zukünftige deutsche Kardinal, ist seit 1977 theologischer Berater der Glaubenskongregation im Vatikan. In dieser Position erwarb er sich die Wertschätzung Joseph Ratzingers, des heutigen Papstes Benedikt. Seit 2009 verhandelt Becker als Mitglied einer Delegation der Kurie mit der traditionalistischen Pius-Bruderschaft über die Möglichkeiten einer Rückkehr der Gemeinschaft, die Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt. Anders als Woelki ist Becker nicht zur Papstwahl berechtigt, da er über 80 Jahre alt ist.

Insgesamt ernannte Benedikt XVI. 22 Kirchenvertreter aus Europa, Asien, Nord- und Südamerika zu Kardinälen.

© Süddeutsche.de/dapd/dpa/sks/lala
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