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Papst beim Weltjugendtag in Brasilien:An der Seite der Armen

Papst Franziskus Weltjugendtag Rio de Janeiro

Reist eigentlich äußerst ungern: Papst Franziskus steigt am Montag in Rom ins Flugzeug nach Brasilien.

(Foto: AFP)

Fast eine Woche lang wird Papst Franziskus zu Gast beim Weltjugendtag in Rio de Janeiro sein. Das Programm hat er selbst mitgestaltet: So wird er auf seinen besonderen Wunsch hin einen Bolzplatz in einem Elendsviertel besuchen und vom Dach der Umkleidekabine zu den Leuten sprechen.

Eine "starke Botschaft" wird der Papst mit nach Brasilien bringen, das jedenfalls hat Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in der Zeitung Estado de São Paulo behauptet. "Er wird den Jugendlichen sagen: Ihr seid verantwortlich für die Zukunft der Welt und der Kirche!"

Originell ist das nun nicht, jungen Leuten zu sagen, sie seien die Zukunft. Selten immerhin hat das jemand so vielen jungen Leuten auf einmal gesagt: Zwei Millionen Pilger erwarten die Organisatoren des ersten Weltjugendtags mit dem neuen Papst Franziskus in Rio de Janeiro und dem Wallfahrtsort Aperecida; die frommen Treffen, die Johannes Paul II. in den Achtzigerjahren ins Leben rief, gehören alle zwei Jahre zu den weltweit größten Veranstaltungen. Der Papst aus Polen konnte die katholischen Jugendlichen, die da zusammenströmten, durch sein Charisma begeistern; Benedikt XVI. berührte sie mit dem schüchternen Charme des Gelehrten. Vom neuen heißt es nun, er sei spontan, unkompliziert und einfühlsam genug, um bei seiner ersten großen Auslandsreise gut anzukommen.

Manuskript zur Seite legen und einfach erzählen

Anfang Juni erst hat er vor 8000 Jesuitenschülern das vorbereitete Manuskript beiseite gelegt und aus seinem Leben erzählt, zum Beispiel, dass er auch deshalb im Gästehaus des Vatikans wohne und nicht im päpstlichen Palast, weil er unter Menschen sein müsse. Unvergessen ist in seiner Heimatstadt Buenos Aires, dass Jorge Mario Bergoglio als Kardinal nach dem furchtbaren Brand einer Diskothek im Jahr 2004 mit fast 200 Toten den Eltern der Opfer seine Telefonnummer gab und jedes Jahr einen Gedenkgottesdienst für die Umgekommenen hielt. Wie schon neulich auf Lampedusa wird Franziskus auch in Brasilien auf den kugelsicheren Wagen seines Vorgängers verzichten und im offenen Geländewagen durch die Menge fahren.

Die fast einwöchige Reise dürfte dem Papst aber nicht nur dazu dienen, junge Leute glücklich zu machen und der so stark gewachsenen Schar der Evangelikalen zu zeigen, wer der wahre Marktführer ist. Die Vorstellung mancher Strategen im Vatikan, man müsse die Konkurrenz per Papstbesuch in die Schranken weisen, ist ihm ohnehin fremd. Wichtiger wird ihm - in Wort und symbolischer Tat - die inhaltliche Botschaft sein: Die Kirche hat an der Seite der Armen zu stehen und gegen die "Globalisierung der Gleichgültigkeit" anzugehen, die er schon auf Lampedusa gegeißelt hatte.

Jenseits der etablierten Gemeindestrukturen

Der Marienwallfahrtsort Aperecida, den er am Mittwoch besucht, steht wie kaum ein anderer Ort für das, was Franziskus theologisch und kirchenpolitisch will. 2007 tagte hier der lateinamerikanische Bischofsrat, und Bergoglio gehörte zu jener Führungsriege, die gegen den Widerstand des Vatikans ein Programm für den Kontinent entwarf, auf dem immerhin 40 Prozent der Katholiken weltweit leben. "Was immer mit Christus zu tun hat, hat mit den Armen zu tun, und alles, was mit den Armen zu tun hat, weist auf Jesus Christus hin", hieß es dort. Und Priester wie Laien werden aufgefordert, jenseits der etablierten Gemeindestrukturen auf die Leute zuzugehen.

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