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Papst auf Flüchtlingsinsel Lampedusa:Jubel für den Mahner der Solidarität

Als der Papst vom Hafen zum Stadion fährt, kommt er am Schiffsfriedhof vorbei. Dort liegen bunt bemalte Fischerboote, auf denen die Flüchtlinge zusammengepfercht waren. Sie sind verziert mit Ornamenten und arabischer Schrift, fürs hohe Meer taugen diese Kähne aber nicht. Aus dem Holz solcher Boote hat der Tischler Franco Tuccio für den Papst den Messkelch und einen Hirtenstab geschnitzt für die Messe auf dem Sportplatz. Aus solchem Holz ist auch das Predigtpult, selbst der Altar steht auf einem kleinen Boot.

Das ist nicht nur Symbolik. Franziskus wollte, dass seine Reise möglichst wenig kostet, seit dem ersten Tag seines Pontifikats spricht er von der "armen Kirche". Sie haben sich daran gehalten auf Lampedusa. Man sieht dem Papst an, dass ihm das alles gefällt, die Einfachheit des Stils, ohne unnötigen Aufwand. Sein "Papamobil" ist ein 20 Jahre alter Fiat-Geländewagen, den eine Ferienhausbesitzerin ausgeliehen hat.

Der Papst dankt allen für ihre Hilfe, als er am Morgen unter der glühenden Hitze vor den Insulanern und Urlaubern spricht, die mit Fähnchen auf ihn gewartet haben. Und doch es ist ein Bußgottesdienst, den der Heilige Vater hier abhält: "Ich bin hier, um die Gewissen zu wecken", sagte er in seiner Ansprache. Nie wieder dürfe es solche Toten im Meer geben. Er erinnert an das Leiden, das Migranten auf sich nehmen, und daran, dass alle, auch er selbst, sich von Gleichgültigkeit überwältigen ließen angesichts ihres Schicksals.

"Eine Globalisierung der Gleichgültigkeit", prangert er an. Starke Worte wählt Franziskus, er bittet um Vergebung für die, die zur "Betäubung des Herzens" beigetragen haben und dafür, dass niemand Verantwortung übernehmen will für Flüchtlingsdramen. Er klagt die Menschenschmuggler an, die aus der Not der anderen Gewinn schlagen. Immer wieder unterbricht ihn die Menge mit Applaus, sie rufen "Es lebe der Papst".

Der aber bleibt streng, redet von der "Kultur des Wohlbefindens" ohne "brüderliche Solidarität". Ein Flüchtlingsboot, das vor der Ankunft von Franziskus gesichtet worden ist, hat die Küstenwache unterdessen nach Syrakus umgelenkt.

© SZ vom 09.07.2013/leja

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