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Papst auf Flüchtlingsinsel Lampedusa:Franziskus, der Gewissenserwecker

Papst Franziskus "Wer ist verantwortlich?" Bilder

Papst auf Lampedusa

"Wer ist verantwortlich?"

Sie sind ertrunken oder verdurstet. Papst Franziskus hat während seiner Reise nach Lampedusa der Flüchtlinge gedacht, die bei der Überquerung des Mittelmeeres den Tod gefunden haben. Das Oberhaupt der katholischen Kirche übt Kritik an der Politik.

Papst Franziskus setzt mit seiner ersten Reise ein Zeichen der Solidarität. In den umjubelten vier Stunden, die er bei den Flüchtlingen von Lampedusa verbringt, muss jedes Wort, jede Geste stimmen. Da wird auch ein neues Boot aus Afrika kurzerhand umgeleitet.

An diesem Morgen waren es 166 Menschen, die auf dem kleinen Eiland zwischen Europa und Afrika an Land gingen. Sie stiegen aus den rettenden Schiffen der italienischen Küstenwache und Finanzpolizei nur ein paar Stunden vor dem großen Besuch, bei dem sich dann alles um Menschen wie sie dreht: Bootsflüchtlinge, Migranten, Asylsuchende. Papst Franziskus begegnet am Montag 50 von ihnen, die schon einige Tage vorher übers Meer gekommen sind, im Hafen von Lampedusa, wo bereits Aberzehntausende ihren Fuß auf europäischen Boden gesetzt haben. Seine allererste Reise hat der Papst genau hierher machen wollen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen - mit den Migranten, und mit denen die sie aufnehmen.

Und natürlich setzt der Papst so auch ein Signal an die Politik. "Lampedusa soll ein Leuchtturm für die ganze Welt sein", sagt Franziskus, "damit sie die aufnimmt, die ein besseres Leben suchen." Die Fischer- und Ferien-Insel ist längst Symbol für die Flüchtlingsfrage in Europa, seit dort vor 21 Jahren zum ersten Mal so ein Boot aus Nordafrika eingetroffen ist. Nur vier Stunden dauert der Besuch von Franziskus. Jedes Wort, jede Geste und jedes Bild muss stimmen.

Nach der Ankunft am Flughafen steigt der Papst auf ein Boot der Küstenwache, das seine weißgelbe Flagge neben der italienische Tricolore wehen lässt. Eine Flotte von mehr als 100 Fischerbooten und Yachten folgt dem grauen Militärschiff. Ein Skipper hat auf sein Segel geschrieben: "Wir danken dir, dass du gekommen bist, Papst".

Chrysanthemen für die Ertrunkenen

Nur Franziskus, seine kleine Entourage und ein paar Marineoffiziere sind an Deck, als das Militärboot stoppt. Einen Kranz aus weißen und gelben Chrysanthemen wirft der Papst ins blaue Wasser, betet für die Toten. Für jene, die auf ihrer Reise über das Mittelmeer ertrunken, verdurstet, der Unterkühlung oder Infektionen erlegen sind. Um die 6000 Menschen sollen es nach Schätzungen seit dem Jahr 1994 gewesen sein.

Doch an diesem Tag herrscht auf der Insel vor allem eine feierliche Stimmung, zum ersten Mal überhaupt kommt ein Papst nach Lampedusa. Inselpfarrer Don Stefano, unermüdlich im Einsatz für seine Gemeinde und die Flüchtlinge, hat schon 2011 einen Brief an Papst Benedikt geschrieben, er möge doch kommen. Es war das Jahr, als Lampedusa kurz vor einer Revolte stand. Sie konnten nicht mehr, die etwa 4500 Einwohner. Der arabische Frühling setzte Nordafrika in Bewegung, in Libyen herrschte Krieg, 60.000 Migranten kamen nach Italien. Lampedusa war der Hauptanlaufpunkt, die italienische Regierung ließ die Lage dort sich unerträglich zuspitzen. So dramatisch ist es bei Weitem nicht mehr, aber immer noch 13.000 Bootsflüchtlinge erreichten Italien im vergangenen Jahr. Wenn es so weitergeht, werden es in diesem Jahr gleich viele sein. Etwa 4000 sind bisher auf Lampedusa gelandet.