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Pannenserie bei Qantas:Rauch im Cockpit

Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen muss eine Qantas-Maschine umkehren - diesmal eine Boeing. Wegen eines elektrischen Problems im Cockpit flog der Jumbo mit Ziel Argentinien und 199 Passagieren an Bord nach Sydney zurück.

Die Pannenserie bei der australischen Fluggesellschaft Qantas reißt nicht ab. Eine Boeing 747 mit 199 Passagieren und 21 Besatzunsgmitgliedern an Bord musste am Montag auf dem Weg nach Buenos Aires umkehren und nach Sydney zurückfliegen. Es ist bereits die dritte außerplanmäßige Landung eines Qantas-Fliegers in diesem Monat: Nachdem Anfang November ein Qantas-Airbus A380 wegen eines schweren Triebwerkschadens in Singapur notlanden musste, kehrte zuletzt am Freitag eine Qantas-Maschine vom Typ Boeing 767 mit 234 Passagieren an Bord zehn Minuten nach dem Start in Perth wieder um.

Qantas Boeing 747

Turbulente Zeiten für Qantas: Am Montag musste eine Maschine dieses Typs, eine Boeing 747, nach Sydney zurückkehren.

(Foto: dpa)

Bei dem jüngsten, in Richtung Argentinien gestarteten Flugzeug sei bei einem Instrument im Cockpit ein "geringfügiger technischer Zwischenfall" aufgetreten, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Ursache des Elektrikfehlers sei noch unklar.

Nach Medienberichten drang auf dem Flug QF 17 am Montag Rauch ins Cockpit der Boeing 747. Berichte über einen Druckabfall in der Passagierkabine seien falsch, betonte die Airline.

Die Boeing 747 habe Treibstoff abgelassen, bevor sie zwei Stunden und zehn Minuten nach dem Start wieder sicher in Sydney gelandet sei, teilte Qantas mit. Auf der Landebahn waren Feuerwehrwagen stationiert.

Zu dem Vorfall, der sich drei Tage zuvor bei dem inneraustralischen Flug ebenfalls mit einer Boeing, allerdings vom Typ 767, ereignete, gab Qantas inzwischen Entwarnung: Bei dem Vibrieren, das die Piloten kurz nach dem Start im linken Motor bemerkten, habe es sich nicht um einen Triebwerkschaden gehandelt. Das Vibrieren habe nichts zu bedeuten und passiere Tausende Male im Jahr. Es handelte sich um eine Boeing mit einem General-Electric-Motor.

A380 entging knapp einer Katastrophe

Durchaus beunruhigend war dagegen der Triebwerkschaden, der am 4. November einen Airbus A380 mit 466 Passagieren zur Notlandung in Singapur zwang. Der Notfall hätte nach einem Bericht der Zeitung The Australian auch in einer Katastrophe enden können. Denn als das Triebwerk der Maschine mit einem lauten Knall kaputtging, wurde die Tragfläche nach Informationen des Blattes schwerer beschädigt als bislang bekannt. Metallsplitter hätten Teile der Verkabelung und des Treibstoffsystems des Riesenflugzeugs zerstört, als sie die Außenhaut der Maschine durchschlugen, berichtete die Zeitung. Außerdem sei die Feuerlöschanlage an der betroffenen Tragfläche ausgefallen. Die Maschine mit dem Ziel Sydney musste mit diesen Schäden noch eine Stunde Schleifen fliegen, um Benzin abzulassen, ehe sie nach Singapur zurückfliegen konnte.

Der Triebwerkshersteller Rolls-Royce machte einen Ölbrand als Ursache für den schweren Triebwerkschaden an dem notgelandeten Superjumbo aus. Der Fehler betrifft alle Trent-900-Turbinen des Herstellers Rolls-Royce und dürfte die Auslieferung neuer A380 - das größte Passagierflugzeug der Welt - verlangsamen.

Qantas legte ihre gesamte A380-Flotte nach dem Vorfall vorübergehend still. Wann die sechs Maschinen wieder in Betrieb gehen sollen, wurde noch nicht mitgeteilt.

Die australische Airline hat den Ruf, besonders sicher zu sein. Seit der Einführung von Düsenflugzeugen ist weltweit keine einzige Qantas-Maschine abgestürzt.

Die Fluggesellschaft Singapore Airlines teilte indes mit, dass sie am Wochenende zwei ihrer drei A380-Maschinen wieder in Betrieb genommen habe. Die Rolls-Royce-Motoren, an denen ausgelaufenes Öl entdeckt worden war, seien ausgetauscht worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Der dritte A380 werde noch untersucht. Die Fluggesellschaft hatte die Maschinen als Konsequenz aus der Notlandung des A380 von Qantas vorsichtshalber vorübergehend am Boden gelassen.

Airbus "in bedenklicher Schräglage"

Für den europäischen Flugzeugbauer Airbus häufen sich damit die Probleme: Wie am Freitag bekanntwurde, traten auch beim Bestseller A320 bereits vor Monaten technische Schwierigkeiten auf. An einer A321 der Lufthansa-Tochter British Midland International (bmi), die im August nachts von der sudanesischen Hauptstadt Khartum nach Beirut unterwegs war, fielen die Cockpit-Bildschirme zeitweise aus. Der Jet habe mehrere Minuten lang nicht mehr auf die Steuerbefehle der Cockpit-Crew reagiert und sei in eine bedenkliche Schräglage gekommen, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf die britische Luftfahrtbehörde. Die A321 ist die Langversion der zweistrahligen A320, die es auch in der verkürzten Form als A319 gibt.

Nach Airbus-Angaben kann das Problem nicht sofort technisch gelöst werden. Piloten erhielten deshalb Verhaltensregeln, falls es erneute Bildschirmausfälle geben sollte.

Zu den Schwierigkeiten mit Bildschirmen im Cockpit der A320-Reihe erklärte ein Airbus-Sprecher in Toulouse: "Das Problem ist bekannt, und wir haben in enger Zusammenarbeit mit der Untersuchungsbehörde an einer Lösung gearbeitet." Innerhalb der kommenden zwei Wochen werde die englische AAIB an alle betroffenen Airlines Verhaltensregeln für die Piloten versenden. Sie sollten darin für das Phänomen sensibilisiert werden und lernen, damit umzugehen, bis es durch eine technische Lösung schließlich behoben werde. Der Sprecher bestätigte damit den Bericht des Wall Street Journal, das von einer bevorstehenden weltweiten Warnung des Flugzeugherstellers vor fehlerhafter Elektrik berichtete.

© Reuters/AFP/dpa/dapd/kat/gba
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