bedeckt München

Pannen-Airbus:Rolls-Royce: Fehler bei allen A380-Triebwerken

Das Problem ist gefunden: Ein fehlerhaftes Bauteil hat den gefährlichen Triebwerkschaden bei einem Airbus A380 verursacht. Hersteller Rolls-Royce muss es überall austauschen - Airbus gerät in Schwierigkeiten.

An dem gefährlichen Triebwerkschaden bei einem Qantas-Riesen-Airbus A380 ist ein fehlerhaftes Bauteil schuld. Der Turbinenhersteller Rolls-Royce will die Module in der gesamten Serie der Trent-900-Triebwerke auswechseln, kündigte er am Freitag an.

Weiter Probleme mit Rolls-Royce-Triebwerken des Airbus A380

Gefährlicher Triebwerkschaden: Schuld ist ein fehlerhaftes Bauteil.

(Foto: dapd)

Gut eine Woche nach der Notlandung des Qantas-Airbus wird unterdessen deutlich, dass die 466 Menschen an Bord wohl nur knapp einer Katastrophe entgangen sind. Metallsplitter aus dem kaputten Triebwerk hatten viel größeren Schaden angerichtet, als bislang angenommen wurde, berichtete die Zeitung Australian.

Nach Angaben von Rolls-Royce geht der Triebwerkausfall bei der Qantas-Maschine, die am 4. November in Singapur notlanden musste, auf eine bestimmte Komponente im Turbinenteil des Triebwerks zurück. Durch das fehlerhafte Bauteil könne Öl austreten und in Brand geraten. Bei dem Qantas-Flugzeug habe der Brand im Bereich der Mitteldruckturbine zum Bruch der Turbinenscheibe geführt - die vom Aussehen her einem Zahnrad ähnelt. Ein Teil der geborstenen Scheibe war gefunden worden und galt als Schlüssel bei der Fehlersuche.

Die Ermittler der australischen Transportsicherheitsbehörde (ATSB) trafen am Freitag auf der indonesischen Insel Batam ein, um die Suche nach dem Rest der Scheibe zu verstärken. Sie hatten den genauen Flugweg der Maschine markiert und wollen nun gezielt am Boden suchen.

Auf Batam waren schon zahlreiche Trümmerteile gefunden worden, der Rest der Scheibe fehlt aber noch. Das beschädigte Triebwerk soll am Wochenende aus der Maschine ausgebaut werden. Dazu werde noch Spezialgerät aus Deutschland eingeflogen, teilte ATSB mit.

Als das Triebwerk in dem Qantas-Flugzeug kurz nach dem Start mit lautem Knall kaputtging, ist nach Informationen der Australian die Tragfläche schwerer beschädigt worden, als bislang bekannt war. Metallsplitter hätten Teile der Verkabelung und des Treibstoffsystems des Riesenflugzeugs zerstört, als sie die Außenhaut der Maschine durchschlugen, berichtete die Zeitung. Außerdem sei die Feuerlöschanlage an der betroffenen Tragfläche ausgefallen. Die Maschine musste mit diesen Schäden noch eine Stunde Schleifen fliegen, um Benzin abzulassen, ehe sie zur Notlandung nach Singapur zurückfliegen konnte. Die verlief reibungslos. Weder Qantas noch die ATSB wollten sich zu dem Bericht äußern.

Die Erkenntnisse von Rolls-Royce bei der Fehlersuche decken sich mit denen der europäischen Luftaufsichtsbehörde EASA. Alle A380-Maschinen müssen nach einer Direktive der Behörde aus Köln genauestens inspiziert werden. Die Inspektion muss nach jeweils 20 Flugzyklen wiederholt werden. Die EASA hatte bereits im August vor dem durch Materialermüdung entstehenden Problem gewarnt und eine höhere Frequenz an Tests angeordnet. Unklar blieb, warum es trotz des frühen Hinweises aus Köln dennoch zu dem Triebwerkschaden in der Luft kommen konnte.

Die speziell für den Airbus A380 entwickelten Triebwerke werden von den Fluggesellschaften Lufthansa, Singapore Airlines und Qantas verwendet. "Sicherheit bleibt unsere höchste Priorität", sagte Rolls-Royce-Vorstandschef John Rose am Freitag. Er entschuldigte sich bei den Fluggesellschaften. "Wir bedauern die Unterbrechungen, die wir verursacht haben", sagte er.

Rose schraubte die Gewinnerwartung des Unternehmens für 2010 leicht zurück. Rolls-Royce sei aber wirtschaftlich gesund. Der Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Thomas Enders, hatte zuvor erklärt, die Auslieferung des neuen A380 werde sich wegen der Triebwerksprobleme leicht verzögern. Einen Imageschaden befürchte er allerdings nicht durch den Zwischenfall. Es habe keinerlei Abbestellungen oder Diskussionen um Stornierungen gegeben.

Qantas-Sprecherin Olivia Wirth betonte, dass die Fluggesellschaft an ihren A380-Bestellungen festhalte. "Natürlich werden wir weitere Maschinen in den Dienst stellen", sagte sie in einem Radiointerview. "Wir haben eine Gesamtbestellung von 20. Sechs sind bereits in unserer Flotte." Die sechs Maschinen sind seit dem Unfall aus dem Flugverkehr gezogen. "Der A380 ist ein wichtiges Flugzeug für uns", sagte Wirth.

Singapore Airlines hat eine der drei Airbus-A380-Maschinen, bei denen nach den Fund von Ölflecken die Triebwerke ausgewechselt wurden, wieder in den Dienst gestellt. Die zweite soll am Samstag wieder fliegen. Die acht nicht betroffenen Maschinen sind im regulären Flugeinsatz.

© dpa/segi/olkl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema