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Panda als weibliches Gesicht 2011:Damenwahl der BBC erzürnt die Briten

Michele Bachmann, Gabriele Giffords und Tian Tian, die Pandabärendame: Die Auswahl der weiblichen Gesichter des Jahres 2011 der BBC bringt die Gefühle so mancher Briten in Wallung. Warum eigentlich?

Briten sind nicht gerade für ihre überbordende Emotionalität berüchtigt. Höchstens bei Fußball. Oder Rugby. Doch derzeit bringt ein Pandabär die Gefühle mancher Briten in Wallung. Es sind allerdings keine Gefühle der Verehrung und Hingabe, wie sie manche Tierfreunde beim Anblick des Berliner Eisbärs Knut überfielen. Die Briten sind empört. Nicht nur not amused, sondern richtiggehend erzürnt, weil die staatliche Rundfunkanstalt BBC den Pandabären Tian Tian in seine Liste der weiblichen Gesichter des Jahres 2011 aufgenommen. Das schwarz-weiße Antlitz des Tieres, das seit kurzem im Zoo von Edinburgh lebt, ziert den Monat Dezember.

Die Pandabärendame Tian Tian wurde von der BBC zum Gesicht des Dezembers 2011 erkoren - und hat damit eine Gender-Debatte ausgelöst.

(Foto: AP)

Was wohl als Auflockerung zwischen von chriurgischen Eingriffen verzerrten Lächeln der Herzogin von Alba (Oktober) und der rechtskonservativen Tea-Party-Ikone Michele Bachmann (August) gedacht war, wurde von den Briten nicht goutiert. Im Netz brach ein Sturm der Entrüstung los, #pandagate wurde zu einem der meistgetwitterten Hashtags.

Gäbe es etwa nicht genug Menschendamen, die einen Platz auf dieser Liste verdient hätten? Die neue IWF-Chefin Christine Lagarde zum Beispiel oder die so jung verstorbene Sängerin Amy Winehouse? Und schon war der Verdacht in der Welt, ältere Herren in Tweed-Sakkos hätten in den Redaktionsräumen des öffentlich-rechtlichen Senders gemütlich beisammen gesessen und die Liste der weiblichen Gesichter des Jahres ziemlich willkürlich zusammengestellt.

"Ich liebe Pandas, aber nicht auf der Top-Ten-Liste der BBC", twittert zum Beispiel Emilie Coudrat. Zeitungsreporter Shiv Malik spottet: "Definiere Frau. Im Zweifel schau bei BBC News nach. O nein, halt." Die Labour-Abgeordnete Stella Creasy sagte der Tageszeitung Guardian: "Wir lieben alle eine gute Panda-Geschichte. Aber es ist frustrierend, dass der BBC keine zwölf menschliche Damen-Gesichter eingefallen sind, die in diesem Jahr die Nachrichten bestimmt haben."

Der Chauvinismus-Vorwurf wird dadurch untermauert, dass sich von den zwölf Damen drei ihren Platz auf der Liste mittel- oder unmittelbar durch eine Hochzeit erlangten: Charlène von Monaco, Pippa Middleton natürlich und besagte Gräfin aus Spanien. "Belächelte Leistungen", empört sich eastendville auf Twitter, " Wie die, eine Brautjungfer zu sein?"

Die Erfinder des schwarzen Humors sind ja sonst ziemlich schmerzfrei. Dass die Briten und Britinnen in diesem Fall so gar keinen Humor zu haben scheinen, liegt auch an einer anderen Liste. Ende November hatte nämlich die BBC die Anwärter für den Preis "Sports Personality of the Year" bekanntgegeben. Zehn Namen, kein einziger gehört einer Frau. Die Empörung unter den britischen Sportlerinnen war enorm.

Wer die ziemlich offensichtliche Diskriminierung beim Sport-Preis allerdings mit der Panda-Dame Tian Tian zusammenzubringt, der übertreibt möglicherweise nicht nur ein wenig, sondern übersieht dabei auch etwas. Zum einen zierten - worauf ein BBC-Sprecher selbst hinweist - schon 2009 ein fetter Karpfen die Männerliste (auch wenn das Geschlecht von Benson noch immer umstritten ist) und im vergangenen Jahr das Schweinchen Peppa die Damenliste.

Zum anderen haben auch die Männer ihre Erwähnung auf der Liste nicht unbedingt ihren hervorragenden Leistungen zu verdanken: Auf dieser finden sich nämlich zwischen US-Politiker Herman Cain, Golfer Rory McIlroy und Japans Ex-Premier Naoto Kan - auch Anders Behring Breivik, der Attentäter von Norwegen.

Außerdem: Schonmal darüber nachgedacht, Tian Tian als politisch Verfolgte zu sehen, die dem chinesischen Unrechtsstaat erfolgreich entkommen ist? Damit sollte dann auch der politischen Korrektheit Genüge getan sein. Schluss mit Pandagate.

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