Pakistan und AfghanistanZahl der Toten bei Erdbeben im Hindukusch steigt auf mehr als 200

Lesezeit: 2 Min.

  • Ein schweres Erdbeben hat die Hindukusch-Region erschüttert.
  • Mehr als 200 Menschen sind in Afghanistan und Pakistan ums Leben gekommen. Allein in der Stadt Talokan starben zwölf Schülerinnen bei einer Massenpanik.
  • Eine noch schlimmere Katastrophe wurde womöglich verhindert, weil sich das Beben in großer Tiefe ereignete.

Zahlreiche Tote bei Erdbeben in der Hindukusch-Region

Nach dem schweren Erdbeben in der Hindukusch-Region ist die Zahl der Todesopfer auf mehr als 200 gestiegen. Allein in Pakistan kamen nach Angaben der Behörden mehr als 150 Menschen ums Leben, es gab Hunderte Verletzte. Das Militär und die Zivilbehörden hätten in der am schlimmsten betroffenen Region im Norden eine groß angelegte Rettungsaktion gestartet, um das gesamte Ausmaß der Katastrophe abschätzen zu können, sagte Informationsminister Pervaiz Rasheed. Mindestens 700 Verletzte wurden in der nordwestlichen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa in Krankenhäusern behandelt.

In Afghanistan stieg die Zahl der Toten nach Angaben der Behörden auf mindestens 69. In der Provinz Kunar im Osten starben 42 Menschen, 67 wurden verletzt, wie der örtliche Polizeichef sagte. Das Zentrum des Bebens mit der Stärke 7,5 lag in der dünn besiedelten Bergregion Badachschan im Nordosten Afghanistans. In der Stadt Talokan starben zwölf Schülerinnen, als sie versuchten, sich in Sicherheit zu bringen und dabei eine Massenpanik ausbrach. Die Zahl der Opfer könnte sich in allen betroffenen Ländern aber noch deutlich erhöhen.

Die Karte vom USGS zeigt das Epizentrum des Bebens im Hindukusch und welche Regionen wie stark erschüttert wurden.
Die Karte vom USGS zeigt das Epizentrum des Bebens im Hindukusch und welche Regionen wie stark erschüttert wurden. dpa

Erschütterungen bis Delhi und Kabul zu spüren

Das Beben habe länger als eine Minute gedauert und schwere Schäden angerichtet, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur dpa. Die pakistanische Regierung forderte Streitkräfte, Polizisten, lokale Beamte und zivile Helfer dazu auf, alle verfügbaren Kräfte zu mobilisieren. Die pakistanische Erdbebenwarte warnte vor Nachbeben.

In Islamabad fiel durch das Beben das Fernsehen aus. Im nordindischen Kaschmir brachen die Handy-Netze zusammen. Die Erschütterungen waren bis ins indische Neu-Delhi, in die afghanische Hauptstadt Kabul und in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu zu spüren.

Epizentrum in großer Tiefe unter der Erde

Verheerendes Erdbeben in der Hindukusch-Region: In Sargodha in Pakistan stützte ein Markt ein.
Verheerendes Erdbeben in der Hindukusch-Region: In Sargodha in Pakistan stützte ein Markt ein. AFP

Die britische BBC zitiert in ihrem Bericht den Geowissenschaftler David Rothery, der sich zu dem Gefahrenpotenzial des Erdbebens äußert: "Glücklicherweise hat es sich in einer Tiefe von mehr als 200 Kilometer ereignet. Deshalb waren die Erschütterungen an der Erdoberfläche geringer als bei einem Erdbeben dieser Magnitude normalerweise zu erwarten gewesen wäre", so der Experte.

Frederik Tilmann vom Geoforschungszentrum Potsdam äußerte sich ähnlich. "Was es günstiger macht ist, dass das Beben sehr tief ist. Das heißt, es wird über einen größeren Umkreis gespürt". Das Ausmaß der Schäden sei voraussichtlich sehr viel geringer als es 2005 in Kaschmir, "wo wir Zehntausende Tote hatten bei einer ähnlichen Amplitude", so der Seismologie-Professor.

In der Bergregion kommt es immer wieder zu folgenschweren Erdbeben. Hier schiebt sich die Indische Platte unter die Eurasische Platte, was massive Verwerfungen auslöst. Erst vor einem halben Jahr, am 25. April, hatte es ein großes Erdbeben der Stärke 7,8 gegeben, dessen Zentrum im Himalaya in Nepal lag. Damals kamen etwa 9000 Menschen ums Leben.

© SZ.de/AFP/dpa/Reuters/tamo/olkl - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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