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Verschwundenes Kunstwerk:Mann vergisst wertvollen Picasso-Krug im Zug

Keramikkrug von Picasso verschwunden

Das Foto der Bundespolizei zeigt den Keramikkrug von Pablo Picasso mit dem Motiv "Le Hibou" (Die Eule).

(Foto: dpa)
  • Die Bundespolizei sucht nach einem verlorenen Krug aus der Werkstatt von Pablo Picasso.
  • Ein 76-jähriger Mann hatte das teure Kunstwerk im Zug transportiert und beim Umsteigen dort vergessen.

Eine Zugfahrt von Kassel nach Nordrhein-Westfalen endete für einen 76-jährigen Mann mit einem herben Verlust. Wie die Bundespolizei mitteilt, hat der Mann eine große Einkaufstasche im Zug stehen lassen - darin: ein Keramik-Krug von Pablo Picasso im Wert von rund 10 000 Euro.

Der etwa 26 Zentimeter hohe Krug ist mit dem Motiv einer Eule gestaltet. Die Ausschütt-Öffnung ist als Schnabel bemalt. "Cruchon Hibou", Krug Eule, so heißt die Serie, zu der dieses Gefäß vermutlich gehört. Die Auflage beträgt 500 Stück. Alle Krüge stammen aus der Werkstatt von Pablo Picasso im französischen Madoura.

Bei der Bundespolizei gab der ältere Herr an, dass es sich um ein Original gehandelt habe. In einer großen Einkaufstasche aus fester Kartonage habe er den Krug transportiert, als er am vergangenen Freitag von Kassel aus mit einem Zug in Richtung Düsseldorf fuhr. Er sei auf dem Weg nach Hause gewesen. Die große Tasche mit dem blauen Schriftaufdruck "Neumeister - Alte Kunst - Moderne" habe er im Zug auf den Boden gestellt.

Im westfälischen Hamm musste der ältere Mann umsteigen. Kurz nach 21 Uhr sei es gewesen, als der Zug den Bahnhof verließ - und der 76-Jährige fassungslos festgestellt habe, dass mit ihm auch sein Picasso davonfuhr. "Man kann sich vorstellen, wie aufgelöst der Mann gewesen sein muss, als er da am Bahnsteig stand", sagt Jürgen Gerdes von der Bundespolizeiinspektion Münster. Der 76-Jährige habe sofort bei der Bahn um Hilfe gebeten. Das Zugpersonal wurde verständigt und machte sich auf die Suche - alles ohne Erfolg, sagt der Sprecher der Bundespolizei, die jetzt wegen Unterschlagung ermittelt.

Warum der ältere Herr mit dem teuren Kunstwerk im Zug unterwegs war, vermag Gerdes aber auf SZ-Nachfrage nicht zu sagen. "Vielleicht wollte er den Krug schätzen lassen", vermutet er. An den Angaben des 76-Jährigen zweifele die Polizei jedenfalls nicht. "Er konnte belegen, dass ihm der Krug gehört: Er hatte sogar ein Foto dabei, das den Krug bei ihm Zuhause in einer Vitrine zeigt", sagt der Polizeisprecher.

Große Hoffnungen kann er dem Mann aber nicht machen: "Wir haben es öffentlich gemacht, mehr können wir im Moment nicht tun." Die Bundespolizei hoffe jetzt, dass der Krug auf dem freien Markt auftauche.

Christie's versteigert einen nahezu identisch aussehenden Krug

Auf Auktionen sind Picasso-Keramiken häufig anzutreffen. Mehr als 3500 verschiedene Designs soll Picasso für Krüge, Teller, Ziegel und andere Keramiken geschaffen haben. Beim Auktionshaus Christie's wird derzeit sogar ein Krug versteigert, der dem verlorenen Stück täuschend ähnlich sieht. "Der Krug aus unserer Auktion wurde aber schon vor Wochen bei uns abgegeben - und befindet sich auch noch immer sicher im Warenhaus", sagt Sprecherin Alexandra Kindermann. Es sei aber nicht auszuschließen, dass es sich bei dem Krug auf dem Bild der Bundespolizei um ein Exemplar der gleichen Serie "Cruchon Hibou" handele - "sofern er denn echt ist".

Für den Krug der Christie's-Auktion werden derzeit mehr als 6200 Euro geboten. Es sei aber möglich, dass der im Zug verlorene Krug noch mehr wert sei, sagt Kindermann. Der Preis hänge nicht nur stark davon ab, in welchem Zustand ein Werk sei, sondern auch davon, welche Nummer einer Serie der Krug habe. Frühe Werke ohne Blessuren, so erkläret Christie's anlässlich der laufenden Online-Auktion, seien deutlich teurer.

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