SpanienEin „sehr empfindliches“ Kunstwerk

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Dreieinhalb Meter hoch, fast acht Meter lang, Pablo Picassos „Guernica“ stellt jede Transportfirma vor eine Herausforderung.
Dreieinhalb Meter hoch, fast acht Meter lang, Pablo Picassos „Guernica“ stellt jede Transportfirma vor eine Herausforderung. THOMAS COEX/AFP
  • Die baskische Regionalregierung fordert die Überführung von Picassos "Guernica" aus Madrid nach Bilbao zum 90. Jahrestag des Bombardements.
  • Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso nennt die baskische Forderung "Blödsinn" und der Streit wird zur Machtprobe zwischen Baskenland und Madrid.
  • Restauratoren des Reina-Sofía-Museums warnen dringend vor einem Transport, da das empfindliche Gemälde bereits viele Risse aufweist und Schaden nehmen könnte.
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Madrid und das Baskenland zanken sich um Pablo Picassos Gemälde „Guernica“. Die Basken wollen es in Bilbao ausstellen, „Blödsinn“ nennt das Madrids Regionalpräsidentin. Tatsächlich könnte ein Umzug das Riesenbild wohl beschädigen.

Von Patrick Illinger, Madrid

Dreieinhalb Meter hoch, fast acht Meter lang. Ein derart sperriges Gut stellt jede Transportfirma vor ein Problem. Die Fracht, zumal sie sorgfältig eingehüllt und in eine stoßfeste Kiste verpackt werden müsste, passt in keinen Lkw, in keinen verladefähigen Container, in kein normales Flugzeug.

Nein, Pablo Picassos so berühmtes wie ausladendes Gemälde „Guernica“ lässt sich nicht eben mal an einen anderen Ort umziehen. Dafür müsste man die Leinwand, auf der Picasso das Grauen des Bombardements der baskischen Kleinstadt Guernica im Jahr 1937 verewigte, vom Rahmen trennen und aufrollen. Davor warnen jedoch Restauratoren, denn das Werk könnte Schaden nehmen.

Technische Bedenken hindern die baskische Regionalregierung aber nicht daran, die Überführung des Bildes einzufordern. Derzeit hängt es, angemessen präsentiert, im Reina-Sofía-Museum in Madrid. Ginge es nach der nationalistischen Partei des Baskenlandes sowie dem Lehendakari – so der Titel des baskischen Regierungschefs –, soll das Gemälde zum 90. Jahrestags des Bombardements in Bilbao ausgestellt werden, der größten Stadt des Baskenlandes.

Für die Regionalpräsidentin von Madrid, Isabel Díaz Ayuso, ist die Forderung der Basken ein willkommener Anlass, um vor ihrer konservativen, zentralspanisch gesinnten Wählerschaft der allzu selbstbewusst auftretenden baskischen Autonomieregion die Zähne zu zeigen. Sie nannte das Begehren: „Blödsinn“.

Nun tobt Streit um die Frage, ob ein Gemälde, das zweifellos inhaltlichen Bezug zum Baskenland hat, aus diesem Grund einem dortigen Museum zuzugestehen sei. Zumal es mit dem Guggenheim-Museum in Bilbao eine ebenbürtige Konkurrenz zu den Madrider Kunsttempeln gibt.

Der Streit um „Guernica“ wird längst nicht mehr auf der Sachebene geführt

Historische Tatsache ist aber auch, dass die deutschen Bomber, die im April 1937 den Angriff auf Guernica flogen, nicht das Baskenland als solches zum Ziel hatten. Die von Hitler völkerrechtswidrig entsandte Legion Condor sollte den aufständischen General Francisco Franco im Kampf gegen die demokratisch gewählte Republik unterstützen. Dieser war zu jener Zeit in Nordspanien unterwegs, weil die Belagerung Madrids ins Stocken geraten war.

Der Streit um das Gemälde von Picasso wird längst mehr auf der Beziehungs- als auf der Sachebene ausgetragen. In ihm tritt das seit Jahrhunderten angespannte Verhältnis zwischen Basken und der kastilischen Zentralmacht in Madrid zum Vorschein.

Bliebe man auf der Sachebene, müsste ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten der Abteilung für Konservierung und Restaurierung des Madrider Reina-Sofía-Museums den Ausschlag geben. Dieses beschreibt Picassos Werk als „sehr empfindlich“. Weil es in früheren Jahrzehnten – im aufgerollten Zustand – transportiert worden war, unter anderem ins New Yorker Museum of Modern Art und dann bei der Tournee durch die USA, seien jede Menge winzige Risse in der aus einem Stück bestehenden Leinwand entstanden. Die prägnanteste Fissur zeige sich im Bereich des Pferdehalses. Auch hätten frühere Restaurierungsversuche das Werk in Mitleidenschaft gezogen. Mithilfe hochauflösender Gigapixel-Aufnahmen und detaillierter Schadenskarten überwacht das Museum jede Veränderung des Gemäldes millimetergenau. Von einem neuerlichen Transport raten die Restauratoren dringend ab.

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