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Ostwestfalen:Paar aus Höxter hat weitere Frau getötet

Ermittlungen zu weiteren Opfern in Höxter

Ermittler vor dem Haus des beschuldigten Ehepaares, das inzwischen mit Sichtschutzwänden abgeriegelt wurde.

(Foto: dpa)
  • Ein verhaftetes Ex-Ehepaar aus Höxter, das für den Tod der 41-Jährigen Susanne F. verantwortlich gemacht wird, soll mindestens eine weitere Frau getötet haben.
  • Die 33-jährige Annika W. starb im August 2014 nach wochenlangen Misshandlungen. Ihre Leiche sollen die Täter in einem Kamin verbrannt haben.
  • Auf dem Hof in Nordrhein-Westfalen sollen noch weitere Frauen misshandelt worden sein.

Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika B. haben offenbar jahrelang und systematisch Frauen in ihr Haus in Höxter gelockt. Neben der 41-jährigen Susanne F. hat das Ex-Ehepaar mindestens eine weitere Frau zu Tode misshandelt, teilte die Polizei auf einer Pressekonferenz mit.

Susanne F. war vor einigen Tagen - am 21. April - gestorben, nachdem das Ex-Ehepaar sie vom Hof zurück in ihre Wohnung bringen wollte. Auf dem Weg dorthin verschlechterte sich der Zustand der Frau so sehr, dass die Beschuldigten einen Krankenwagen riefen. Die 41-Jährige starb wenige Stunden später im Krankenhaus. F. hatte sich auf eine Kontaktanzeige hin bei dem Wilfried W. gemeldet und war kurze Zeit später nach Höxter gezogen.

Leiche im Ofen verbrannt

Bei dem zweiten Opfer handelt es sich um Annika W. Die Frau hatte ihren späteren Peiniger ebenfalls über eine Kontaktanzeige kennengelernt. Die beiden seien im Herbst 2013 zusammengekommen und hätten anschließend geheiratet.

Auch Annika W. musste immer wieder schwere Misshandlungen über sich ergehen lassen und starb schließlich im Sommer 2014 im Alter von 33 Jahren. Ihre Leiche habe das Paar in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt, zerstückelt und später im Kaminofen verbrannt. Die Asche hätten sie in der Umgebung verstreut.

Falsche SMS an Mutter des Opfers

Beide Todesopfer stammen aus Niedersachsen. Die Mutter von Susanne F. habe erst am Montag von der Polizei vom Tod ihrer Tochter erfahren. Sie sei nicht als vermisst gemeldet worden, weil die Beschuldigte Angelika B. noch vor zwei Wochen mit dem Handy von Susanne F. eine SMS an deren Angehörige schickte und schrieb, dass es ihr gut gehe.

Das Motiv soll "eher im Bereich der Machtausübung gelegen haben" als sexueller Natur sein. Es gebe "Anhaltspunkte für sadistische Züge". Die Ermittler haben einen Psychiater hinzugezogen.

Weitere Frauen wurden misshandelt

Abgesehen von den beiden Todesopfern seien über Jahre hinweg weitere Frauen misshandelt worden, heißt es auf der Pressekonferenz. Ihre Opfer lockten sie mit Kontaktanzeigen an, die sie in Zeitungen in ganz Deutschland und sogar in Tschechien schalteten. Die Ermittler haben keine konkreten Hinweise, dass eine dritte Frau in dem Haus in gestorben ist, schließen ein drittes Todesopfer aber auch nicht aus.

Die Polizei sucht derzeit nach weiteren Geschädigten. Die Ermittler gehen davon aus, dass mindestens drei bis vier weitere Frauen von dem Paar misshandelt wurden. Eine von ihnen aus dem Großraum Berlin sei namentlich bekannt, sagte der Leiter der Mordkommission. Sie habe das Haus in Höxter in Medienberichten wiedererkannt und sich daraufhin bei der Polizei gemeldet.

Auch Mittäterin Angelika B. sei von Wilfried W. misshandelt worden und ihm hörig gewesen, teilten die Ermittler mit. Sie habe ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Wilfried W. übergoss Ex-Frau mit Säure

Beide Beschuldigten waren bereits vorher strafrechtlich in Erscheinung getreten, Angelika B. wegen kleinerer Delikte. Wilfried W. wurde 1995 in Paderborn wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt. Er soll seine damalige Ehefrau geprügelt, gequält und mit Säure verätzt haben.

In den kommenden Tagen wird die Spurensicherung das Haus nach weiteren Hinweisen absuchen.

© SZ.de/dpa/AFP/kat/tamo
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