Organhandel in China "Das ist schlicht Tötung auf Bestellung"

Auch Patienten machen mit: Im Internet finden sich immer wieder große Versprechen: Ganz offen wird mitunter auf den Websites von Krankenhäusern um zahlungskräftige Organempfänger aus dem Ausland geworben. Oft beträgt die Wartezeit für eine Spenderleber nur wenige Wochen. Beim Shanghai Changzheng Hospital ist es sogar nur eine Woche.

Immer wieder räumen auch Patienten aus Deutschland ein, dass sie für eine Transplantation nach China gereist sind. Zwischen 100 000 und 150 000 Euro hatten sie im Gepäck. Die Zahl solcher Patienten ist inzwischen so groß, dass sich die DTG fragt, wie mit solchen Patienten zu verfahren ist - etwa wenn sie wegen Komplikationen in deutsche Kliniken kommen. Haben sie ein Anrecht auf eine hiesige Spenderleber, sofern die chinesische Leber versagt? "Es gibt auch unter Ärzten große Irritationen, was das betrifft", sagt Gertrud Greif-Higer, die stellvertretende Vorsitzende der Ethikkommission der DTG. "Wir wollen deshalb einen Kodex entwickeln, wie mit solchen Patienten zu verfahren ist."

Exekution nach Terminkalender des Organempfängers

Ethische Konflikte verspürt kaum einer der glücklichen westlichen Organempfänger. Die Gefangenen würden doch sowieso exekutiert, sagte ein israelischer Patient der Journalistin Martina Keller. Doch so einfach ist die Sache nicht: Die westlichen Patienten bestimmen, welcher Gefangene wann den Tod findet. Schließlich müssen die Organe in ihrer Größe und auch von der Blutgruppe her zum Empfänger passen. Dem israelischen Patienten hatten seine chinesischen Ärzte mitgeteilt, dass er morgen das Herz eines 22-Jährigen bekommen werden. Dabei dürften Ärzte auch in China keinen siebten Sinn dafür haben, wann ein passender Organspender stirbt. "Das ist schlicht Tötung auf Bestellung", schreibt der Bioethik-Professor Arthur Caplan von der New York University in seinem Buch "State Organs. Transplant Abuse in China".

Dass die Exekutionen nach Bedarf vorgenommen werden, zeigt auch ein Erlebnis, das der Herzchirurg Franz Immer von der Schweizer Organspendestiftung schildert. Im Jahr 2007 wollten ihm die Ärzte in einem Pekinger Krankenhaus eine Herztransplantation zeigen. Wann er denn Zeit habe, wurde Immer gefragt. Morgen? Ja, gut. Wann denn: lieber vormittags oder nachmittags? In diesem Moment wurde Immer klar, dass zu eben dieser Zeit wohl ein Gefangener exekutiert würde. Die Transplantation sollte in den Terminkalender des westlichen Besuchers passen. "Da habe ich mich geweigert, daran teilzunehmen", erzählt Immer.