Organhandel Eine Frage der Papiere

Seine Organe zu verkaufen, gilt gerade in ärmeren Ländern oftmals als einziger Ausweg. Symbolfoto: Sean Gallup/Getty Images

In Ägypten ist ein Ring von Organhändlern aufgeflogen. Das Land gilt als eines der Zentren des illegalen Geschäfts.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Die Behörden in Ägypten haben nach eigenen Angaben einen großen Ring von Organhändlern aufgedeckt. Am Dienstag seien 45 Verdächtige festgenommen worden, unter ihnen Ägypter und Ausländer, teilten das Gesundheitsministerium und die der Regierung direkt unterstehende Verwaltungskontrollbehörde mit, zu deren Aufgaben die Bekämpfung von Korruption gehört. Laut der Zeitung al-Ahram wurde das Netzwerk seit Monaten mit Genehmigung des Generalstaatsanwalts überwacht. Unter den Verdächtigen sind Universitätsprofessoren, Ärzte und Krankenpfleger, Eigentümer privater Kliniken und Labore sowie Vermittler, die in den Organhandel verwickelt seien. Die beschuldigten Ärzte seien suspendiert worden.

Einige der Beschuldigten hätten an den medizinischen Fakultäten der Kairo-Universität und der ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Ain-Shams-Universität unterrichtet, deren Kliniken zu den größten Krankenhäusern des Landes gehören. Auch Angestellte eines weiteren großen staatlichen Krankenhauses und des Nationalen Instituts für Urologie und Nierenheilkunde seien involviert. Zehn medizinische Zentren und Kliniken seien durchsucht und geschlossen worden, einige von ihnen hätten keine Lizenz besessen. Auch seien Millionen-Beträge in Dollar und ägyptischen Pfund sowie Goldbarren beschlagnahmt worden, außerdem Computer und Dokumente. Die Festgenommenen hätten "die wirtschaftliche Situation einiger Ägypter und das Leiden einiger Patienten" ausgenutzt, um hohe Gewinne zu erzielen, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Der Handel mit Organen ist in Ägypten illegal und mit hohen Strafen bedroht, es ist aber legal, für Transplantationen zu bezahlen, solange die nötigen Papiere vorliegen, darunter eine Versicherung des Spenders, freiwillig und ohne Bezahlung ein Organ zur Verfügung zu stellen. Dies lässt aber Raum für Arrangements, die an den Operationen beteiligte Ärzte möglicherweise nicht kennen - an der Konstellation der Patienten aber zumindest erahnen können. Die verbreitete Armut und mangelhafte staatliche Aufsicht über das Gesundheitswesen begünstigen den Verkauf von Organen unter Wahrung einer legalen juristischen Fassade. Der Großteil der unter Verdacht stehenden Einrichtungen soll in Armenvierteln von Giza in der Nähe der Pyramiden liegen. Die Menschen dort sehen oft keinen anderen Ausweg, als eine Niere oder Teile ihrer Leber zu verkaufen. Vermittler stellen den Kontakt zu Laboren her, die Gewebeproben typisieren, und suchen nach Empfängern, von denen zumindest manche offenbar aus den Golfstaaten stammen. Details über den Umfang oder das Vorgehen des Netzwerkes teilten die Behörden nicht mit, nur dass die Operationen in privaten Kliniken vorgenommen worden seien.

Ägypten ist in den vergangenen Jahren immer wieder als eines der wichtigsten Länder für Organhandel genannt worden, auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO. Es gibt dokumentierte Fälle sudanesischer Migranten, die in Ägypten ihre Organe verkauft haben. Auch gab es nicht belegte Anschuldigungen, dass Menschenschmuggler Migranten an Organhändler verkaufen. Großes Aufsehen unter den in Ägypten lebenden Somaliern erregten Bilder, die aus dem Mittelmeer geborgene Leichen zeigten, die Operationsnähte am Bauch aufwiesen. Auch diese Bilder wurden mit illegalem Organhandel in Verbindung gebracht, ohne dass ihre Authentizität gesichert war oder es Belege dafür gab.

Lokale Medien zitieren Mohammed Foad, den Geschäftsführer des Ägyptischen Zentrums zur Gewährleistung der Versorgung von Medikamenten, einer Nichtregierungsorganisation, sein Zentrum habe 33 Fälle von Organhandel im Zeitraum von Oktober 2015 bis Oktober 2016 aufgedeckt. Alle diese Vorfälle hätten sich in Kairo zugetragen.