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Fall Oppenau:Bei der Festnahme saß er im Gebüsch

Bewaffneter von Oppenau weiter auf der Flucht

Sechs Tage lang suchten mehr als 2500 Polizisten nach dem Verdächtigen.

(Foto: dpa)

Sechs Tage lang suchten mehr als 2500 Polizisten im Schwarzwald einen Flüchtigen, der vier Beamte bedroht und ihre Dienstwaffen entwendet hatte. Nun ist die Gefahr gebannt.

Von Oliver Klasen

Ein Mann gegen mehr als 2500 Polizisten, das war die Konstellation im baden-württembergischen Oppenau. Sechs Tage lang dauerte die Suche nach Yves R., 31, der am vergangenen Sonntag bei einem Polizeieinsatz in einer Gartenhütte vier Beamte mit einer Waffe bedroht, sie gezwungen hatte, ihre Dienstpistolen abzulegen und dann mitsamt der Waffen in ein nahe gelegenes Waldgebiet geflüchtet war. Am Freitag ist R. schließlich festgenommen worden, Polizisten fanden ihn in einem Gebüsch, die vier Polizeiwaffen hatte er vor sich ausgebreitet. Außerdem stellten die Beamten einen Brief, eine weitere Pistole und ein Beil sicher, das bei dem Verdächtigen auf dem Schoß lag.

"Ich bin erleichtert, froh und dankbar, dass diese Ausnahmesituation für unsere Stadt beendet wurde", sagte der Oppenauer Bürgermeister Uwe Gaiser bei einem Pressetermin, auf dem über die Polizeiaktion informiert wurde. Die Einwohner hätten das sonst eigentlich beliebte Waldgebiet in den vergangenen Tagen gemieden. Zu groß die Angst, dem als gefährlich eingestuften Mann zu begegnen.

"Von uns ist ein großer Druck abgefallen", sagte der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter. Die Einsatzstrategie der Polizei, den Mann im näheren Umfeld von Oppenau, einer 5000-Einwohnergemeinde im Schwarzwald östlich von Offenburg, zu suchen, habe sich als richtig erwiesen. Dort, da war sich die Polizei sicher, hielt er sich die ganze Zeit auf. Als "Waldläufer" hatte Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer den Flüchtigen Anfang der Woche bezeichnet. R. kannte sich in dem dicht bewachsenen Gebiet bestens aus, wusste um mögliche Verstecke. Vergangenes Jahr hatte er seine Wohnung verloren, lebte seitdem im Freien. Außerdem galt er als Waffenfetischist - ein Grund mehr, die Suche möglich schnell abzuschließen.

"Ein Waldgebiet dieser Größe ist fast nicht zu durchsuchen", sagte Einsatzleiter Jürgen Rieger nach der Festnahme. Bei der Suche hatte die Polizei Spürhunde eingesetzt, außerdem Hubschrauber mit Wärmebildkameras. Noch am Freitagnachmittag, nur wenige Stunden bevor Yves R. gefasst wurde, hatte die Polizei den Mann direkt angesprochen und zur Aufgabe aufgefordert. "Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Das ist ein Weg, gesund für alle herauszukommen", sagte Polizeipräsident Renter bei einer Pressekonferenz. Das könne auch über Freunde oder die Familie geschehen. Da sah es noch nicht danach aus, als würde die Polizei so bald einen Erfolg vermelden können.

Die Ermittler wollen den Mann psychiatrisch begutachten lassen

Doch am Ende war die großangelegte Öffentlichkeitsfahndung erfolgreich. Zwei Zeugen gaben den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort von Yves R. und kurz nach 17 Uhr erfolgte der Zugriff. Bei dem Einsatz wurden der Verdächtige und ein SEK-Beamter leicht verletzt.

Zu der Gartenhütte war die Polizei am Sonntag ausgerückt, weil der Besitzer sich gemeldet hatte. Ein Mann habe sich verbotenerweise dort einquartiert. Als die Polizisten kamen, habe Yves R. am Tisch gesessen und einen entspannten Eindruck gemacht. Erst als die Polizisten ihn aufforderten, die Hütte zu verlassen, und ihn durchsuchen wollten, habe er plötzlich eine Schusswaffe gezogen und diese auf einen der Beamten gerichtet. Dabei sei die Lage zumindest für einen Kollegen lebensbedrohlich gewesen, sagte Polizeipräsident Renter. Nur durch das besonnene Verhalten der Polizisten habe es keine Verletzten gegeben.

Yves R. ist der Polizei bekannt. Als Jugendlicher wurde er wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Ermittler wollen ihn nun psychiatrisch begutachten lassen. Außerdem sollen die Polizisten, die ihn festnahmen, erneut befragt werden. Eine Blutprobe soll klären, ob Yves R. unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand. Am Samstag wird der Verdächtige dem Haftrichter vorgeführt - und in Oppenau können die Menschen wieder im Wald spazierengehen.

© SZ/dpa/olkl/mane

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