SZ-Kolumne "Bester Dinge":Jahrelang gereifte Kochkunst

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(Foto: Ivan Babydov/mauritius images/Alamy)

Eine Website sammelt Kurzfilme von kochenden Großmüttern und ihren Rezepten, damit es endlich wirklich wie bei Oma schmeckt. Nur bei welcher noch mal genau?

Von Veronika Wulf

Wenn es ums Kochen und um Großmütter geht, herrscht auch heute noch ein überraschend undiverses Menschenbild vor. "Schmeckt wie bei Oma" wird unhinterfragt als größtes Kompliment verstanden, ohne dass man jene Oma, geschweige denn ihre Kochkünste, auch nur flüchtig kennt. Es gibt Gewürze "wie bei Oma", Spätzle aus "Großmutters Küche", und gefühlt jedes zweite Kochbuch für Hausmannskost wirbt mit "Omis Rezepten". Die arme Oma, auf die sich all das bezieht, muss ihr Leben lang in der Küche gestanden haben.

Nun hat ein Franzose Videos von kochenden Großmüttern aus aller Welt gesammelt, aufgenommen von ihren filmaffinen Enkeln, und auf der Website Grandmasproject.org veröffentlicht. Eine serbische Oma stellt im Garten Ajvar her, während drei Babykätzchen um sie herumstreunen, eine indische Oma kocht Sindhi Kadhi, ein Curry, in einem Wohnblock, eine französische Oma bäckt Soufflé au fromage in einem Landhaus. Jeder Kurzfilm ist auch ein kleiner Einblick in das Leben der alten Damen, in dem mechanische Küchenwaagen statt Thermomixe zum Einsatz kommen, in dem der Teig noch mit den Händen geknetet und die Soße mit dem Finger abgeschmeckt wird. Eine Großmutter raucht Zigarette beim Marillenknödelformen, eine andere reagiert entgeistert, als die Enkeltochter fragt, ob sie das Kochwasser des Huhns wegkippen soll: "Bist du krank?"

Darunter stehen die Zutaten und die Zubereitung. Und so kann sich jeder beim Nachkochen ein wenig "wie bei Oma" fühlen, auch wenn er keine mehr hat. Oder wenn die eigene Großmutter Kochen hasst und höchstens Tiefgefrorenes backt - zum Beispiel "Omas Mohnkuchen" von Bofrost.

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