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Oldenburg:Tödliche Babymilch

Frühchen im Klinikum Oldenburg stirbt durch Keim in Milchnahrung

Der Säugling, der in Oldenburg an dem verkeimten Milchpulver starb, kam in der 33. Schwangerschaftswoche zur Welt. Ein solch kleiner Körper hat einem Bakterium wenig entgegenzusetzen.

(Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Im Klinikum Oldenburg stirbt ein Frühchen, weil das Milchpulver mit einem Keim verunreinigt war. Das Klinikum überprüft seine Hygienevorschriften, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Peter Burghardt, Hamburg

Anfang Juni kam das Kind zur Welt, in der 33. Schwangerschaftswoche. Klinikum Oldenburg, Niedersachsen. Eine Frühgeburt, es lag auf der Neonatalen Intensivstation, wie es in diesen Fällen üblich und Routine ist. Kurz danach war das Baby tot. Es starb an einer Infektion, die Keime ausgelöst hatten, Cronobacter. Ein weiterer Säugling erkrankte, inzwischen geht es ihm nach Auskunft des Krankenhauses besser. Drei andere zeigten offenbar keine Symptome. Alle von ihnen hatten verunreinigte Milchpulvernahrung bekommen, ein Albtraum.

Auch die Oldenburger Staatsanwaltschaft will wissen, wie das passieren konnte. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen das Personal der Klinik, zunächst war von Ermittlungen gegen unbekannt die Rede gewesen. Es soll geklärt werden, wie die in mindestens einem Fall tödlichen Erreger in die Milch kamen.

"Die hygienischen Anforderungen an Säuglingsnahrung sind sehr hoch", ist in einer Empfehlung des Bundesamtes für Risikobewertung aus dem Jahre 2012 zu lesen. Solche Keime seien selten, "in Ausnahmefällen" aber könnten sie "den Herstellungsprozess für pulverförmige Nahrung überleben und sich dann in der zubereiteten Nahrung vermehren"; sie könnten auch "über Löffel, Sauger oder Trinkfläschchen bei der Zubereitung in die Nahrung gelangen".

Cronobacter spp. könne "schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Hirnhautentzündung verursachen". Gefährdet seien vor allem Säuglinge mit einem Geburtsgewicht unter 2500 Gramm und immungeschwächte Säuglinge, weil deren körpereigene Abwehr keinen ausreichenden Infektionsschutz bietet.

Sterile Flüssigmilch statt Milchpulver

Das ist wohl auch der Grund, weshalb die anderen betroffenen Frühchen nicht so schwer erkrankten, sie waren zwei bis zweieinhalb Wochen älter. "Möglicherweise war das Immunsystem bei ihnen schon so entwickelt, dass der Körper die Keime abwehren konnte", sagt der Oldenburger Klinikdirektor Axel Heep in der Nordwest-Zeitung. "Der Tod ist ein unglaublicher Verlust." Er stehe mit den Eltern in engem Kontakt. "Es zieht uns den Boden unter den Füßen weg." Man betreue jedes Jahr ungefähr 120 Kinder, die mehr als acht Wochen zu früh geboren seien. Weil diese kaum Abwehrkräfte hätten, seien hohe Hygienestandards selbstverständlich.

In Bremen waren 2011 drei Frühchen gestorben und mehrere erkrankt, nachdem sie sich mit Bakterien infiziert hatten. Der Chefarzt wurde entlassen, die Station fürs Erste geschlossen, der Senat untersuchte den Fall. In Oldenburg wird nun geprüft, wie genau die Nahrung für Neu- und Frühgeborene in der Milchküche zubereitet wird. Man werde zum Beispiel das Hygiene-Handbuch durcharbeiten, sagt Klinikdirektor Heep, und schauen, "ob einzelne Vorschriften aktualisiert werden müssen". Prinzipiell werde die Ernährung mit Muttermilch gefördert. Auf Milchpulver soll bis auf Weiteres verzichtet werden, so heißt es, man werde sterile Flüssigmilch verwenden.

© SZ/nas
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