Österreichisches Wort des Jahres Frankschämen

Franz Strohsack aus Kleinsemmering kehrte als kanadischer Milliardär Frank Stronach an die Donau zurück

(Foto: AP)

Wer sich zuletzt für Österreicher wie den Mörtel oder den Hinterseer fremdgeschämt hatte, der musste feststellen, dass alles noch viel schlimmer geht: Wegen eines Franz Strohsack aus Kleinsemmering ist "Frankschämen" von der Uni Graz zum Wort des Jahres gekürt worden.

Von Martin Zips

Und wieder hat uns Österreich abgehängt. Wie schon bei der Autobahnmaut, dem Neujahrskonzert, dem Stratosphärensprung und der Mehlspeise. Mehr als eine Woche vor Bekanntgabe des Deutschen Wortes 2013 in Wiesbaden ist jetzt die Fachjury der Universität Graz einfach mal vorgeprescht. Ihr Wort des Jahres: "Frankschämen". Das hat mit Franz Strohsack aus Kleinsemmering zu tun, der als kanadischer Milliardär Frank Stronach an die Donau zurückkehrte, um dort mit verworrenen Thesen die Politikszene aufzumischen.

Wer sich zuletzt für Österreicher wie den Mörtel oder den Hinterseer fremdgeschämt hatte, der musste nun feststellen, dass "frankschämen" noch viel schlimmer ist. Aber immer schön ans eigene Glashaus fassen. Die Jahreswörter, die von der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden zuletzt verkündet wurden, lauteten so: "Rettungsroutine", "Stresstest", "Wutbürger", "Abwrackprämie". Da kommen die aktuellen österreichischen Wörter und Unwörter schon charmanter daher.

"Enkelfit" zum Beispiel - als Synonym für ein funktionierendes Pensionssystem. Oder "Inländerfreundlich", womit die FPÖ eher ausländerfeindlich meinte. Lässig ist auch der Straßenverkehrsbegriff "Begegnungszone" für ein lebensbedrohliches Chaos aus Fußgängern, Bussen und Autos - zum Beispiel rund um die neugestaltete Mariahilfer Straße in Wien.

Aber blöd: Sogar die Schweizer waren bei ihrem Wort des Jahres diesmal schneller als wir. "Stellwerkstörung", so die zuständige Jury, beschreibe nicht nur die Pannenserie bei den dortigen Bundesbahnen, sondern tauge auch als Metapher für ein Land, welches einfach nicht vom Fleck komme. Jetzt muss sich Wiesbaden aber trollen. "Handygate" oder "Veggieday"? "Merkel-Raute" oder "Schlandkette"? "Phantomtor" oder "Paywall"? Am besten wäre einfach: "Quatsch". Für unsere schöne deutsche Sprache wäre dieses Wort ein Sigmar auf ganzer Linie.