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Strache-Affäre:"Ibiza" ist Wort des Jahres in Österreich

Der zurueckgetretene Vizekanzler und FPOe Chef Heinz Christian Strache auf einem Plakat in der Inne

Der zurückgetretene Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf einem Plakat in der Innenstadt von Innsbruck.

(Foto: Manfred Segerer/Imago)

Die Affäre um das Ibiza-Video hat das Land auch sprachlich geprägt. Heinz-Christian Strache tat die Aufnahmen als "b'soffene G'schicht" ab - und lieferte damit auch gleich das Unwort des Jahres.

Bei den Wahlen zum Wort oder Unwort des Jahres schaut man immer ein bisschen neidisch rüber, ins wunderbare Nachbarland Österreich. "Vollholler", "Schweigekanzler" oder "Negerkonglomerat", das hat schon eine ganz andere Dimension als "Wutbürger", "Herdprämie" oder "Ich-AG". Diesmal wurde "b'soffene G'schicht" zum österreichischen Unwort des Jahres gekürt. Als solche hatte Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seine womöglich von Wodka-Redbull getränkten Äußerungen vor einer (angeblich) russischen Oligarchen-Nichte in einem relativ bekannt gewordenen Video später verharmlost.

Strache lieferte mit dem zwischen Bregenz und Klagenfurt mittlerweile geflügelten "zack, zack, zack" zusätzlich den "Unspruch des Jahres". Eine Lautmalerei, mit der der damalige Vizekanzler die von ihm angestrebte Neuordnung in einigen Redaktionsstuben durchaus eindrucksvoll umschrieb. Vor allem aber lieferte Strache mit "Ibiza" den Österreichern auch ihr "Wort des Jahres". Denn das Video - man erinnert sich - entstand auf einer beliebten Baleareninsel.

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Während in Deutschland eine Jury aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten Jahr für Jahr aus Hunderten eingereichten Vorschlägen das "Unwort des Jahres" wählt (nächste Bekanntgabe: 14. Januar), übernimmt dies in Österreich die Grazer Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) zusammen mit einer elfköpfigen Jury.

Den zweiten Platz hinter "Ibiza" belegte als "Wort des Jahres" übrigens heuer der in Deutschland eher unbekannte Ausdruck "Teigtascherlrazzia", mit dem daran erinnert wird, dass die Wiener Polizei zuletzt durchaus erfolgreich in diversen Privatwohnungen illegale Teigtaschen-Fabriken aushob.

"Typisch österreichische Verharmlosung"

Beim "Unspruch des Jahres" wiederum schaffte es Straches Parteifreund, der frühere FPÖ-Innenminister Herbert Kickl mit dem entlarvenden Satz "Denn ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht" auf einen zweiten Platz. Sprache, so würde es Karl Kraus formulieren, ist eben "die Mutter, nicht die Magd des Gedankens".

Die Vereinigung von Niedlichem und Verwunderlichem jedenfalls war auch diesmal bestimmend für die österreichischen Wort-Wahlen. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an zurückliegende Euphemismen wie "inländerfreundlich" (Unwort 2013) oder "besondere bauliche Maßnahme" (Unwort 2015, für die Errichtung eines Grenzzauns an der Grenze zu Slowenien) verwiesen. Auch bei "b'soffene G'schicht" handele es sich um eine "typisch österreichische Verharmlosung", so die Jury. Tatsächlich gehe es im Strache-Video nämlich - gut, dass nochmal darauf hingewiesen wird - um "Parteispenden und potenziell gesetzeswidrige Deals".

Als moralischer Gewinner ist in diesem Jahr Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen zu sehen. Seine ermutigende Aussage "Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin" wurde von vielen Bürgern als Wohltat inmitten der Ibiza-Chaos-Tage im Mai 2019 gesehen und nun völlig zu Recht zum "Spruch des Jahres" gewählt (in Deutschland hatte es vor vier Jahren Merkels vergleichbares "Wir schaffen das!" zum "Satz des Jahres" geschafft, der allerdings deutlich kontroverser aufgenommen wurde).

Zum Jugendwort des Jahres wurde nun auch in Österreich der Ausdruck "brexiten" gekürt - für eine etwas umständliche Verabschiedung gewissermaßen. Kennt man ja. Zum Beispiel in der Frage, ob und wann Heinz-Christian Strache seine Partei vielleicht verlässt.

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