SZ-Serie "Ein Anruf bei":"Ich sammle eben akademische Titel"

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SZ-Serie "Ein Anruf bei": Günter Pichler aus Dornbirn hat kürzlich den postuniversitären Lehrgang "Kirchenrecht für Juristen" absolviert und darf sich nun "Lex Legum Master" nennen. Seinen ersten Doktortitel erlangte er vor fast 52 Jahren.

Günter Pichler aus Dornbirn hat kürzlich den postuniversitären Lehrgang "Kirchenrecht für Juristen" absolviert und darf sich nun "Lex Legum Master" nennen. Seinen ersten Doktortitel erlangte er vor fast 52 Jahren.

(Foto: privat)

Günter Pichler, 81, ist Prof. Mag. theol., Mag. rer. soc. oec., Lic. phil., Mag. DDr. phil., Mag. Dr. phil. fac. theol., Mag. Dr. iur, Bakk. theol., Bacc. theol., Bakk. phil., Bacc. phil. und neuerdings auch Lex legum Master. Wie kam es dazu?

Interview von Martin Zips

Gerade hat Günter Pichler, 81, seinen 15. akademischen Grad erhalten: Einen "Lex Legum Master". Der Österreicher kündigte an, es könne möglicherweise sein letzter gewesen sein.

SZ: Herr DDDDr. Pichler, welcher Ihrer 15 Titel ist für Sie denn der wichtigste?

Günter Pichler: Alle philosophischen Titel sind mir wichtig. Die Philosophie hat mich über die Jahre intellektuell am meisten gefordert. In einer meiner Doktorarbeiten habe ich beispielsweise den philosophischen Ansatz Hegels mit dem des österreichischen Rechtswissenschaftlers Hans Kelsen verglichen.

Ach.

Sie kennen den Architekten der österreichischen Bundesverfassung?

Kelsen...

Sicher, Kelsen ist ein Rechtspositivist. Aber was er so sagt, das hat schon Bedeutung.

Herr Pichler, Sie sind jetzt Prof. Mag. theol., Mag. rer. soc. oec., Lic. phil., Mag. DDr. phil., Mag. Dr. phil. fac. theol., Mag. Dr. iur, Bakk. theol., Bacc. theol., Bakk. phil., Bacc. phil. und neuerdings auch Lex Legum Master. Wir Deutsche unterstellen den Österreichern ja immer gerne eine gewisse Titel-Versessenheit. Sind Sie dafür das beste Beispiel?

Nun, andere züchten Blumen oder horten Briefmarken, ich sammle eben akademische Titel. Und wissen Sie was? Für mich ist das eine große Befriedigung. Mir war die Erweiterung meines Wissens immer wichtig.

Wie kamen Sie zu dieser Leidenschaft?

In jungen Jahren habe ich meinen ersten Doktor in Rechtswissenschaften gemacht, danach arbeitete ich als Personalleiter in einer Firma. Mit 40 Jahren dann wurde ich Lehrer, musste aber nach einer Hüftoperation ausscheiden. Da mich die Schöpfungsberichte der Bibel, aber auch die Urknall- und Evolutionstheorie schon immer interessiert haben, habe ich mich an der Universität Innsbruck bei den Geisteswissenschaften eingeschrieben.

Auch der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel oder der CSU-Mann Erwin Huber haben erst im Alter mit dem Studium der Philosophie begonnen.

Ja? Meine Familie dachte zunächst, ich sei nicht mehr ganz richtig im Kopf - vor allem wegen der Theologie. Meine Söhne sind Anwälte, meine Tochter Lehrerin. Aber als meine Frau das erste Mal neben mir im Hörsaal saß, da sagte sie: Das möchte ich auch machen! Und so musste sie erst einmal das Abitur nachholen. Heute ist sie 75 Jahre alt und hat auch zwei Magister: in Philosophie und in katholischer Theologie.

Ging es denn recht ausgelassen zu in Ihrer Innsbrucker Studentenbude?

Anfangs sind wir noch täglich mit dem Zug in die Stadt gefahren, wir wohnen ja in Dornbirn. Aber später haben wir uns tatsächlich dort eine Unterkunft gesucht. Ja, das war schön.

Junge Studenten machen meist einen großen Bogen um ältere Kommilitonen, nicht?

Nein, nein. Die Jungen haben von unserer Erfahrung profitiert und wir von deren Spontaneität. Man hat uns sogar auf Partys eingeladen, aber ehrlich gesagt: Partys waren noch nie mein Metier.

Saßen Sie eigentlich mit dem Tablet im Hörsaal?

Ach, nein! Da ist für mich der Zug abgefahren. Aber was das Grundsätzliche angeht, so konnte ich mit den Jüngeren schon mithalten. Wurde es mir zu technisch, so halfen mir meine Söhne.

Lieber Herr DDDDr. Pichler, nach so vielen Titeln und einem derart intensiven Studium: Was ist denn nun der Sinn des Lebens?

Auch heute noch wissen wir ja vor allem, dass wir nicht wissen, wie es bei Platon heißt. Am besten aber, so würde ich sagen, hat es der Theologe Karl Rahner mal zusammengefasst: "Glauben heißt: die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten." Das ist für mich der zentrale Satz, auch nach 15 akademischen Titeln. Diesen Satz habe ich mir bereits für meine Todesanzeige reserviert.

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