Kalifornien:Ölpest bedroht zahlreiche Tierarten

Ölteppich vor südkalifornischer Küste

Reinigungskräfte entsorgen das aufgefangene Öl vor der Küste von Huntington Beach in Plastiksäcken.

(Foto: Ringo H.W. Chiu/dpa)

Durch ein Pipelineleck vor der südkalifornischen Küste sind etwa eine halbe Million Liter Öl ausgelaufen. Auch ein Naturschutzgebiet ist betroffen.

Von Fabian Thomas

Brad Avery, Bürgermeister der kalifornischen Stadt Newport Beach, segelte am Samstagvormittag mit seinem Boot vor der südkalifornischen Küste. Neben dem Boot schwammen sechs bis sieben Delfine, so erzählte es Avery der New York Times, als sich Boot und Delfine plötzlich in einem Ölteppich befanden. "In einem Moment sind wir in der schönsten Natur, im nächsten in der menschengemachten Tragödie." Die Delfine, so Avery, hätten versucht, durch das Öl zu schwimmen.

Vor der Küste Südkaliforniens hat sich am Samstag wegen eines Lecks in einer Pipeline ein Ölteppich im Meer gebildet. Die Pipeline transportiert normalerweise das Öl der Förderplattform Elly ans Land. Nach Angaben der Behörden vom Sonntag sind knapp 500 000 Liter Öl ausgetreten - mit immensen Folgen für Mensch und Umwelt. Die Bürgermeisterin von Huntington Beach, Kim Carr, sprach von einer Katastrophe.

Huntington Beach liegt etwa 50 Kilometer südlich von Los Angeles und ist besonders stark von der Ölpest betroffen. Tote Fische und Vögel seien angeschwemmt worden, so die Bezirksabgeordnete Katrina Foley auf Twitter. Rettungskräfte versuchen mit Barrieren zu verhindern, dass das Rohöl noch weiter in das Naturschutzgebiet Talbert Marsh eindringt. Dort leben zahlreiche Vogelarten. "Der Schaden für die Umwelt ist nicht mehr abzuwenden", sagte Foley.

Der Ölteppich wächst weiter

Die Strände in Huntington Beach wurden bis auf weiteres für Besucher gesperrt. Falls Badegäste am Samstag mit dem Öl in Kontakt gekommen seien, sollten sie medizinische Hilfe suchen, so das örtliche Gesundheitsamt. Eine für Sonntag geplante Flugshow mit über einer Million erwarteten Besuchern wurde abgesagt. Der Ölteppich hat eine Größe von 33 Quadratkilometern, ist also fast zehn Mal so groß wie der Central Park in New York. Und er wächst weiter, so die Behörden.

Unklar ist, warum das Öl aus der Pipeline austreten konnte. Die Betreiber teilten mit, Taucher würden die Ursache des Lecks untersuchen. Die Förderung auf allen Ölplattformen sei vorübergehend eingestellt worden, seitdem sei auch kein weiteres Öl ausgetreten, sagte Firmenchef Martyn Willsher.

Vor der kalifornischen Küste befinden sich 23 Öl- und Gasbohrplattformen. Das Ölunglück ist nicht das erste in der Geschichte Kaliforniens. Schon 2015 und 1969 ereigneten sich ähnliche Unfälle in der Nähe von Santa Barbara. Seit Langem fordern Umweltverbände, dass die Ölbohrungen an der US-Küste gestoppt werden müssen, zu riskant sei die Förderung durch teils veraltete Öleinrichtungen. Die Plattformen und Pipelines vor der kalifornischen Küste bezeichnen sie als "Zeitbomben".

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