bedeckt München

Ölpest im Golf von Mexiko:Neues Loch am Loch?

Die US-Regierung weist auf ein mögliches neues Leck in der Nähe des Bohrlochs hin - von Aussickerungen, Methan-Austritten und "unbestimmten Anomalitäten" ist die Rede. BP will davon nichts wissen.

Nach der Erleichterung über die provisorische Abdichtung des Öllecks im Golf von Mexiko gibt es nun erneut Anlass zur Sorge: Die US-Regierung wies am Sonntagabend auf ein mögliches Leck in der Nähe des Bohrlochs hin. Dort sickere Öl aus und womöglich trete auch Methan aus, hieß es.

Zudem sprach Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der Regierung, von "unbestimmten Anomalitäten" am Bohrloch, die bei den jüngsten Belastungstests aufgetreten seien. Einzelheiten nannte er nicht. Er forderte BP in einem Schreiben auf, einen Plan für die schnellstmögliche Öffnung der Abdichtkappe vorzulegen, sollte sich der neue Ölaustritt bestätigen.

Bei BP wollte man dazu keine Stellung nehmen. Kurz zuvor hatte der Konzern noch entscheidende Erfolge gemeldet. Seit gut drei Tagen fließe kein Öl mehr aus dem Leck in der Tiefe, ein meterhoher Zylinder habe die Ölfontäne zum Versiegen gebracht. Es war dies ein erster entscheidender Fortschritt seit dem Beginn der Ölkatastrophe vor drei Monaten.

BP-Manager Doug Suttles gab sich vorsichtig optimistisch. Vermutlich könne die "Kappe" das Leck unter Verschluss halten, bis Anfang August das Leck tief im Meer endgültig mit Schlamm und Zement versiegelt wird. Entsprechende Tests verliefen ermutigend, die Steigleitung scheine dem Druck standzuhalten.

Allerdings schloss Suttles nicht aus, dass es Probleme geben könnte. Falls sich herausstellen sollte, dass die Steigleitung dem Druck nicht standhält, müssten die Ventile des Zylinders wieder geöffnet werden. Das ausströmende Öl werde dann wie zuvor wieder auf Tanker abgepumpt. Allen forderte BP auf, einen Plan über ein mögliches erneutes Absaugen vorzulegen.

Die BP-Bohrinsel Deepwater Horizon war im April nach einer Explosion gesunken. Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Das entspricht in etwa der neun- bis 17-fachen Menge dessen, was 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

© sueddeutsche.de/AP/AFP/Reuters/dpa/juwe/vbe/kat
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema