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Ölpest im Golf von Mexiko:Hoffen auf den Durchbruch

Vorsichtiger Optimismus im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko: Nach wie vor hindert die neue Abdichtkappe das Öl am Auslaufen, jetzt hat BP die Testphase um weitere 24 Stunden verlängert. Endgültig verschließen kann der Zylinder die Quelle aber nicht.

Im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko hat der britische Energiekonzern BP die Tests an der neuen Abdichtkappe über dem defekten Bohrloch um weitere 24 Stunden verlängert. Obwohl die Anlage die Ölmassen offenbar weiter zurückhält, seien die US-Regierung und der Ölkonzern übereingekommen, die Tests auszuweiten, teilte der Krisenmanager der US-Küstenwache Thad Allen mit.

Image of new containment capping stack in the Gulf of Mexico

Die neue Abdichtkappe soll im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko endlich den erhofften Durchbruch bringen.

(Foto: rtr)

Nach dem Ende der Belastungstests solle das Bohrloch wieder geöffnet werden. Das am Meeresgrund austretende Öl werde dann aufgefangen und zu Schiffen an der Oberfläche weitergeleitet. Die Tests an der Abdichtkappe hätten "wertvolle Informationen" geliefert, sagte Allen. Aus diesem Grund hätten sich die US-Regierung und BP entschieden, die auf 48 Stunden angelegte Testphase nochmals um 24 Stunden zu verlängern.

BP war es am Donnerstag nach zahlreichen Fehlschlägen gelungen, das Bohrloch zu stopfen. Erstmals seit drei Monaten strömt kein Öl mehr in den Golf von Mexiko.

Nach Angaben von BP-Vizechef Kent Wells gab es am Samstag keine Anzeichen für eine Beschädigung des im Meeresboden befindlichen Förderschachts. Allen sagte, die gewonnenen Erkenntnisse seien hilfreich für das endgültige Verschließen der Quelle oder für den Fall eines temporären Verschlusses während eines Hurrikans. Der Krisenkoordinator kündigte an, nach der Testphase die Ventile wieder zu öffnen und "unverzüglich" das kontrollierte Abpumpen des Öls fortzusetzen.

Die neue Vorrichtung soll es ermöglichen, anders als bisher das austretende Öl vollständig aufzufangen. Zumindest vorübergehend wird dabei nach Einschätzung von Experten aber auch wieder Öl ins Meer fließen. Allen sagte, der "endgültige Schritt" für den Stopp des Ölflusses seien ohnehin die beiden Entlastungsbohrungen. Die Bohrungen haben sich nach BP-Angaben bereits bis auf eineinhalb Meter an den Förderschacht angenähert. Bis Mitte August soll die Quelle mit Zement versiegelt werden.

Seit dem Untergang der von dem Konzern betriebenen Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April hatten sich Millionen Liter Rohöl ins Meer ergossen und die größte Ölpest in der Geschichte der USA verursacht. Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Das entspricht einer 58- bis 112-fachen Menge dessen, was 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

BP hat die bisherigen Gesamtkosten der Ölpest für den Konzern auf 3,5 Milliarden Dollar beziffert. Der Konzern hat wegen der auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzten Kosten der Umweltkatastrophe etwa die Hälfte seines Börsenwerts verloren.

© sueddeutsche.de/Reuters/AFP/aho
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