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Ölpest im Golf von Mexiko:"Verhängnisvolle Reihe von Fehlern"

Bei einem Scheitern wollten die Experten zu einer anderen Option greifen: Dabei soll ein Stahlzylinder über das größte Leck gestülpt werden, der das Öl auffangen soll. Von dort solle es dann ebenfalls auf ein Schiff abgepumpt werden.

Ein erster Versuch mit einer größeren Stahlglocke war vergangene Woche gescheitert, weil sich darin Eiskristalle bildeten und das Absaugen des Öls verhinderten. Die danach eingesetzte Glocke ist kleiner, eine Wärmevorrichtung soll Eis zum Schmelzen bringen. Doch bislang war es den Fachleuten nicht gelungen, sie an ihr Ziel zu bringen.

Alle Technologien, die angewendet oder erwogen würden, seien in der Praxis noch nicht erprobt, hieß es bei BP. Selbst auf so rustikale Methoden wie das Verstopfen der Ölquelle mit Autoreifen, Golfbällen und anderem Gummi-Müll sowie Holz-Teilen wird inzwischen nachgedacht.

Die Kritik an dem Unternehmen wegen der Katastrophe hat mit den Anhörungen mehrerer ranghoher Firmenvertreter vor dem US-Senat zugenommen. Die Aussagen der BP-Manager verstärkten den Verdacht, dass möglicherweise zahlreiche Warnsignale im Vorfeld des Untergangs der Ölplattform übersehen worden waren.

Offensichtlich sei die Katastrophe durch eine "verhängnisvolle Reihe von Ausrüstungs- und operationellen Fehlern" ausgelöst worden, sagte der Vorsitzende des Senatsausschusses für Energie und Handel, Henry Waxman.

Auch BP-Chef Tony Hayward räumte inzwischen ein, das Unternehmen hätte wahrscheinlich mehr tun können, um sich auf Lecks vorzubereiten, berichtet das Wall Street Journal. Derzeit sei das Unternehmen nicht mit der notwendigen Technologie für solche Katastrophen vorbereitet. Hayward sagte, sein Rücktritt werde nicht diskutiert. Er gab aber zu: "Das kann sich ändern."

Der Konzern erklärte, für "alle Rechtsansprüche" durch die Katastrophe aufzukommen.

Ausgedehnter Ölfilm

Die von BP betriebene Bohrinsel Deepwater Horizon war am 20. April etwa 70 Kilometer von der US-Küste entfernt explodiert, dabei waren elf Arbeiter ums Leben gekommen. Täglich strömen seitdem schätzungsweise 800.000 Liter Öl aus. Vor der Küste Louisianas treibt ein ausgedehnter Ölfilm, der unter anderem das Mississippi-Delta und das ökologisch empfindliche Marschland bedroht.

Wie BP am Donnerstag mitteilte, kostete die Bekämpfung der Katastrophe den Konzern bislang 450 Millionen Dollar. Die Schäden werden bislang auf 14 Milliarden Dollar geschätzt.

Nach Behördenangaben könnte sich der Öl-Teppich bei den gegenwärtigen Windbedingungen weiter dem Bundesstaat Louisiana und dem Mississippi-Delta nähern. "Wenn wir es zulassen, dass das Öl unsere Sumpfgebiete erreicht, dann müssen wir für etwa fünf bis sechs Jahre dichtmachen", klagte Krabbenfischer Rodney Dufrene aus Louisiana. An der Küste errichten Soldaten und Freiwillige weiterhin fieberhaft Barrieren, um das empfindliche Gebiet zu schützen.