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Ölpest im Golf von Mexiko:Abdichtungstest scheitert an neuem Leck

Ein neues Leck hat den Test von BP mit einer neuen Auffangkappe gestoppt - das Erdöl strömt weiter ungehindert in den Golf von Mexiko.

Öl-Thriller am Golf von Mexiko: Die in der Nacht zum Donnerstag begonnene Belastungsprobe für die Abdichtung des ramponierten Bohrlochs ist abgebrochen worden - wegen eines neu entdeckten Lecks. Bevor der Test fortgesetzt werden könne, müsse die undichte Stelle geschlossen werden, sagte ein Sprecher von BP dem US- Sender CNN. Es sei derzeit nicht abzusehen, wann dies der Fall sein werde.

Video grab of work continuing on equipment at the site of the BP oil well leak in the Gulf of Mexico

Gescheiterter Test: Immer wieder kommt der Weltkonzern BP bei dem Versuch, die Ölpest einzudämmen, an seine Grenzen - eine Aufnahme von der Ausstrittsstelle des Öls am 14. Juni.

(Foto: rtr)

Es befand sich nach Angaben des Ölkonzerns BP in einer Leitung, über die notfalls Öl an die Meeresoberfläche abgepumpt werden sollte. Zuvor waren zwei der drei Ventile in der Kappe der Auffangvorrichtung erfolgreich geschlossen worden. Die geplanten Belastungstests könnten aber erst nach Reparatur der Leitung erfolgen, teilte BP auf seiner Website mit. Die defekte Leitung steigt aus dem dritten Ventil auf.

Nach der Schließung aller drei Öffnungen sollte gemessen werden, ob die neue Abdichtung dem Druck des aus dem Bohrloch hervorströmenden Öls standhält. Wenn ja, könnte das Öl entweder in dem Auffangtrichter selbst gesammelt oder, wenn dieser volllaufen sollte, von dort in Tankschiffe an der Meeresoberfläche gepumpt werden.

Knapp drei Monate nach Beginn der verheerenden Umweltkatastrophe ist damit wieder ein Versuch des Unternehmens vorerst gescheitert, das unablässig ausströmende Öl endlich einzudämmen. Der von vorneherein als heikel eingeschätzte Test begann mit einem Tag Verspätung.

Die Prozedur war zunächst verschoben worden, weil befürchtet wurde, der entstehende Druck könne zu noch größeren Schäden führen. Die US-Regierung hatte dem Unternehmen dann die Weisung erteilt, in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) mit dem Belastungstest für eine neue Abdichtung zu beginnen. In einem ersten Schritt wurde in der vergangenen Nacht zunächst eine von mehreren Öffnungen des Zylinders geschlossen, teilte BP- Manager Kent Wells mit. Dann sollten eigentlich nach und nach weitere Ventile und Zuleitungen geschlossen werden. Alle sechs Stunden wollten Experten dann den Druck messen, um den Erfolg des Vorgehens zu überprüfen.

Letzte Rettung Supertanker

Der Stopp bei der Testphase des neuen, 68 Tonnen schweren Zylinders über dem Bohrloch ist die Fortsetzung einer Serie von Verzögerungen und Misserfolgen. Wann immer BP verschiedene Kappen oder Absaugsysteme installierte, Schäden an der Quelle reparieren oder das Leck verstopfen wollte, brauchte der Konzern länger als geplant.

Entweder machten den Arbeitern technische Probleme oder die geringe Erfahrung in solch großer Tiefe einen Strich durch die Rechnung - oder das Wetter spielte nicht mit, etwa als Ausläufer des Hurrikans "Alex" den Golf von Mexiko aufwühlten. Doch selbst wenn die Vorrichtung funktioniert, wäre sie nur eine vorübergehende Lösung. Vollständig verschließen sollen die Quelle Entlastungsbohrungen mehrere Kilometer unter dem Meeresboden. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

Unterdessen rechnet man in Taiwan damit, dass am kommenden Wochenende die Entscheidung über den Einsatz des Supertankers "A Whale" (Ein Wal) fallen könnte. Die jüngsten Einsatztests des Schiffes seien positiv verlaufen. Allerdings sei jetzt schon so lange Öl ins Meer gelaufen, dass es immer problematischer werde, die schmutzige Brühe aufzusaugen. Die "A Whale" soll täglich knapp 80 Millionen Liter verdrecktes Wasser aufnehmen und es vom Öl trennen können. Der Tanker wurde noch nie unter realen Bedingungen getestet. Küstengemeinden von Louisiana bis Florida macht der mögliche Schiffseinsatz Hoffnung, dass ihre Strände dann doch nicht vollends ruiniert werden.

© dpa/AP/grc
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