Ölpest: BP in der Kritik Es sprudelt gewaltiger als behauptet

Geschönte Angaben: Der Ölriese BP hatte zuletzt vermeldet, den Ölausstrom im Golf von Mexiko erfolgreich verringert zu haben - ein Unterwasservideo beweist anderes.

In den letzten Tagen hat die US-Regierung viel Kritik an ihrem Krisenmanagement im Zuge der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einstecken müssen. Nun gibt sie ein Stück davon an den Ölriesen BP weiter.

Ein Video im Internet zeigt wie das Öl aus dem Leck im Golf von Mexiko ins Meer austritt.

(Foto: Foto: afp)

Der Konzern wurde von der Regierung zur sofortigen Veröffentlichung aller wichtigen Informationen und Daten im Zuge der Ölpest aufgefordert. Das sei ein "Muss", schrieben Heimatschutzministerin Janet Napolitano und die Leiterin der Umweltbehörde EPA, Lisa Jackson, in einem Brief an BP-Chef Tony Haward. "Die Öffentlichkeit und die US-Regierung haben einen Anspruch auf völlige Transparenz in dieser Angelegenheit."

Misstrauen über BP-Angaben

Zuvor war die Regierung in Washington selbst immer schärfer unter Beschuss geraten: Man verlasse sich zu stark auf die Angaben von BP, anstatt eigene Untersuchungen durchzuführen, kritisierten Wissenschafler und Umweltexperten. Hintergrund ist ein wachsendes Misstrauen über die BP-Angaben zu dem andauernden Ölaustritt im Golf von Mexiko.

Der Öl-Konzern behauptete zuletzt, es sei mittlerweile gelungen, täglich etwa 700 Tonnen Rohöl direkt aus dem Leck in 1500 Meter Tiefe abzusaugen. Aus einem Video vom Meeresgrund geht allerdings hervor, dass mehr Öl ins Wasser sprudelt als bisher von BP geschätzt.

"Wir können BP nicht trauen"

Zuvor hatten schon Wissenschaftler bezweifelt, dass die BP-Angaben akkurat sind. Mehrere Experten nannten in den vergangenen Tagen Werte, die zwischen 2800 bis 14.000 Tonnen Rohöl täglich liegen, die ins Meer gelangen. Mit dem Video scheint diese Annahme bestätigt. "Ich glaube, wir begreifen jetzt allmählich, dass wir BP nicht trauen können", sagte der demokratische Abgeordnete Edward Markey. "BP hat alle Glaubwürdigkeit verloren. Es scheint klar, dass sie die tatsächlichen Folgen des Unglücks verschleiert haben", so Markey weiter.

Die Washingtoner Umweltbehörde korrigierte sich inzwischen in einem anderen Punkt selbst. Sie verbot entgegen einer früheren Entscheidung BP die weitere Anwendung der Chemikalie Corexit 9500 zum Zersetzen des Öls unter Wasser. Dafür wurde dem Konzern eine Frist von 72 Stunden eingeräumt. Zuvor hatten Umweltschützer Alarm geschlagen: Sie befürchten, dass das Corexit langfristige Umweltschäden verursacht.

Hoffnung auf "Top kill"

Die Hoffnungen auf eine Wende im Kampf gegen die Ölpest konzentrieren sich nun auf einen zunächst für Sonntag angesetzten Versuch von BP, das Bohrloch zu schließen. Bei der geplanten Methode, die Experten als "Top kill" bezeichnen, werden große Mengen schweren Schlamms unter hohem Druck in die Quelle gepresst. Anschließend soll sie mit Zement endgültig abgedichtet und "versiegelt" werden.

Unterdessen hat das Öl die Küste Louisianas erreicht. Dort seien nach Behördenangaben bereits Dutzende Kilometer des sensiblen Marschlandes zerstört worden. Rund 38 Kilometer Schwemmland in der Gemeinde Plaquemines Parish sind durch das Öl verschmutzt.

"Dort ist alles tot", sagte Billy Nungesser, der Vorsteher der Gemeinde dem US-Sender NBC. In den kommenden Wochen und Monaten werde das Öl immer weiter an die Küste gespült, so Nungesser. Der Ölteppich zerstöre so das Marschland weiter - Zentimeter für Zentimeter.