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Ölleck im Münsterland:Naturdesaster wegen unterirdischen Ölspeichers

Ölleck im Münsterland

Tausende Kubikmeter verseuchtes Erdreich wurden bereits abgebaggert.

(Foto: dpa)

Vermutlich ein Riss in mehr als 200 Metern Tiefe: Im Münsterland läuft seit Wochen Öl aus einem unterirdischen Speicher. Nun scheint das Leck gefunden - doch der Schaden für die Natur ist immens.

Wer Erdöl fördern will, muss normalerweise tief bohren. Im Münsterland jedoch floss der wertvolle Rohstoff wochenlang einfach so aus dem Erdreich. Dabei hat in der betroffenen Ortschaft Gronau-Epe niemand nach Erdöl gesucht. Auch Bohrtürme gab es noch nie auf dem dortigen Weideland, nur Kühe. Die allerdings grasen seit Jahrzehnten auf einem riesigen unterirdischen Ölreservoir, das zur nationalen Energiereserve der Bundesrepublik gehört - und nun ein Leck aufweist.

"Das ist ein Schadensfall, den es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben hat", sagte Volker Milk, der Regierungsvizepräsident der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg, Anfang Mai. Bereits am 12. April war auf einer Weidefläche in Epe erstmals ein dickflüssiges Wasser-Öl-Gemisch entdeckt worden. Seither floss das Öl weiter und weiter, wenn auch zuletzt in deutlich geringerer Menge.

Bisher wurde laut Bezirksregierung knapp 15 000 Liter Öl an der Oberfläche aufgefangen und tausende Kubikmeter verseuchtes Erdreich abgebaggert. Mehrere Rinder eines Gehöfts mussten notgeschlachtet werden - sie hatten von der mit Öl versetzten Brühe getrunken. Experten rechnen damit, dass das Öldesaster einen Schaden im mindestens zweistelligen Millionenbereich angerichtet hat.

Die Ursache für das schmierige Problem liegt tief unter der Erde: Anfang der Woche hatte die Bezirksregierung mit Hilfe von Videoaufnahmen eine Unregelmäßigkeit an einer Rohrverbindung in 217 Metern Tiefe gefunden. Ein Sprecher berichtete von einem Riss oder einem fehlenden Stück. Bei dem am Sonntag eingeleiteten Drucktest wird Wasser in das Rohrsystem gepresst. Bleibt der aufgebaute Druck erhalten, ist das System dicht. Über die weiteren Schritte sollen Experten in der kommenden Woche beraten.

Das unterirdische Ölreservoir reicht in eine Tiefe von bis zu 1200 Metern, insgesamt lagern dort knapp 1,4 Millionen Kubikmeter Rohöl - in sogenannten Kavernen. Diese Hohlräume sind bei der Salzförderung entstanden und werden seit 1974 als unterirdische Speicher für Gas und Öl genutzt. Das Rohöl soll zur Versorgungssicherheit der Bevölkerung beitragen - im Rahmen der nationalen Energiereserve, die nach der Ölkrise 1973 ausgebaut wurde und eine Vielzahl von Lagerstätten bundesweit umfasst.

Bedrohte Naturschutzgebiete

Umweltschützer warnen bereits seit längerer Zeit vor möglichen Schäden in münsterländischen Naturschutzgebieten. Das Kavernenfeld Gronau-Epe liege unter mehreren geschützten Naturräumen, erklärte ein örtlicher Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). So sei das Naturschutzgebiet "Amtsvenn und Hündfelder Moor" einer der letzten Hochmoorkomplexe in Nordrhein-Westfalen.

In diesem sensiblen Lebensraum würde Öl nachhaltige Schäden anrichten, mahnte der BUND. Betroffen wären in diesem Fall gleich mehrere geschützte Tierarten, zum Beispiel der Kammmolch, der Wachtelkönig und das Blaukehlchen.

© SZ.de/dpa/AFP/mike/sosa
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