Süddeutsche Zeitung

Odenwaldschule:Hinweise auf weitere Übergriffe

Die Odenwaldschule kommt nicht zur Ruhe. Neue Vorwürfe werden laut und der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf rät davon ab, weiterhin Kinder auf diese Schule zu schicken.

An der Odenwaldschule gibt es weitere Hinweise auf mögliche Übergriffe von Lehrern auf Schüler. Die hessischen Aufsichtsbehörden wollen dem nachgehen und haben die Landesjugendämter der anderen Bundesländer darüber informiert. Das geht aus einer Meldung des Spiegel hervor.

Medienberichten zufolge kündigt das hessische Sozialministerium in dem Schreiben an, dass geprüft werden soll, wie tragfähig das Betreuungskonzept der Schule grundsätzlich ist. Dazu gehöre laut einer Sprecherin auch die "Trennung von Erziehern und Lehrern sowie das Familienprinzip der Schule". Es lägen Informationen vor, die bei der Entscheidung über eine Unterbringung von Relevanz sein könnte, heißt es aus dem Sozialministerium. Ein Drittel der insgesamt 200 Schüler wird aktuell auf Staatskosten von den Jugendämtern an der Odenwaldschule untergebracht.

Angestoßen wurden die neuen Untersuchungen durch einen internen Bericht der Präventionsbeauftragten an der Odenwaldschule, Regina Bappert. Der Bericht liegt den Behörden seit Kurzem vor. Demnach wusste die Schulleitung bereits seit Mai 2013 von Pädophilie-Vorwürfen gegen einen Mathematiklehrer, der inzwischen fristlos entlassen wurde. Schüler hatten sich über den Mann beschwert, woraufhin die Staatsanwaltschaft Darmstadt Ermittlungen aufnahm. Diese wurden eingestellt, weil sich "keine Anhaltspunkte für strafbare Missbrauchshandlungen des Lehrers ergeben" hätten, sagte ein Sprecher.

In dem Bericht von Bappert steht auch, dass sich eine Schülerin bereits vor einem Jahr über diesen Lehrer beklagt und Grenzverletzungen gemeldet hatte. Das Mädchen wurde deswegen von einer Lehrerin der Schule kritisiert. Laut dem Bericht habe diese Lehrerin es zugelassen, dass der Mann mit einem zwölfjährigen Schüler im Wald übernachtete und ihn in seinem Zimmer besuchte.

Bappert bemängelt, dass die Lehrerin auf Intervention des Schulleiters aus formalen Gründen keine Abmahnung bekam. Kritik am Krisenmanagement der Schule kommt vom südhessischen Landkreis Bergstraße, der für die Heimaufsicht zuständig ist. Der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf sagte dem Spiegel, er könne den Jugendhilfeträgern momentan nicht empfehlen, weiterhin Kinder auf die Odenwaldschule zu schicken.

Die Odenwaldschule ist als Reformschule für alternative Bildungsansätze bekannt. 2010 geriet die Schule in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass dort jahrzehntelang Kinder sexuell missbraucht worden waren. Die hessische Privatschule hatte daraufhin eine öffentliche Entschuldigung abgegeben und konsequente Aufarbeitung versprochen.

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