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Obama zu Amoklauf in Charleston:"So etwas passiert in anderen Ländern nicht"

  • Bei einer Schießerei in der Kirche einer schwarzen Gemeinde in Charleston, South Carolina, sind neun Menschen getötet worden.
  • Die Polizei fasst den 21-jährigen Verdächtigen. Vermutet wird ein rassistisches Motiv.
  • US-Präsident Obama drückt seine Trauer und Wut über den Vorfall aus.

"Ich musste solche Statements viel zu häufig abgeben"

Nach dem Massaker mit neun Toten in einer Kirche in Charleston hat US-Präsident Barack Obama seine Trauer und Wut über den Vorfall ausgedrückt. Er zeigte sich zutiefst bestürzt. Er und seine Frau Michelle hätten Gemeindemitglieder und den bei dem Massaker getöteten Pastor gekannt. "Es ist besonders herzzerreißend, wenn so etwas an einem Ort passiert, an dem wir Trost suchen, an dem wir Frieden suchen."

Obama sagte auch: "Diese Art von Gewalt passiert in anderen Ländern nicht. Nicht in dieser Häufigkeit. Ich musste solche Statements viel zu häufig abgeben", sagte der US-Präsident und regte an, über die weit verbreitete Waffengewalt in den Vereinigten Staaten nachzudenken. "Es steht in unserer Macht, etwas dagegen zu tun."

Polizei fasst den Verdächtigen 350 Kilometer vom Tatort entfernt

Ein 21-Jähriger soll am Mittwochabend in einer Kirche in Charleston im Süden der USA neun Schwarze während einer Bibelstunde erschossen haben. Die Polizei sprach von einem "Verbrechen des Hasses" und vermutet Rassismus als Motiv. Der 21-jährige Tatverdächtige flüchtete zunächst im Auto und wurde später bei einer Verkehrskontrolle festgenommen.

CCTV video still image shows a suspect police are searching for in connection with the shooting of several people at a church in Charleston

Mit diesem Foto fahndete die US-Polizei nach dem mutmaßlichen Schützen, der neun Menschen in einer Kirche tötete.

(Foto: REUTERS)

Es handelt sich um eines der schwersten rassistischen Verbrechen seit Jahren in den USA. "Taten wie diese haben keinen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft", erklärte Justizministerin Loretta Lynch. Der 21-Jährige wurde nach Angaben der Behörden 350 Kilometer vom Tatort entfernt bei einer Verkehrskontrolle in Shelby in North Carolina gestellt. Nach Informationen von US-Medien hatte der Verdächtige vor der Tat erklärt, er wolle Schwarze umbringen.

"Der einzige Grund ist Hass"

Nach dem Blutbat in der Kirche veröffentlichten die Behörden ein Foto, das den jungen Mann in einem Jackett zeigt, auf dem die Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien zu erkennen sind. "Der einzige Grund dafür, dass jemand in eine Kirche geht und Leute erschießt, ist Hass", sagte Charlestons Bürgermeister Joe Riley.

Das Verbrechen ereignete sich am Mittwochabend (Ortszeit) in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Nach Angaben von Polizeichef Gregory Mullen betrat der Täter kurz nach 20 Uhr die Emanuel African Methodist Episcopal Church. Zunächst habe er sich etwa eine Stunde in der Kirche aufgehalten, bevor er geschossen habe.

Drei Männer und sechs Frauen sterben

Bei den Toten handelt es sich um drei Männer und sechs Frauen. Unter den Toten ist ein demokratischer Senator im Landesparlament, Clementa Pinckney. Er ist Pfarrer an der historischen, auch "Mother Emanuel" genannten Kirche. Nach Gemeinde-Angaben ist sie das älteste Gotteshaus der Afrikanisch-methodistischen Episkopalkirche (AME) in den Südstaaten. Acht Menschen starben nach offiziellen Angaben bereits am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus. Bei allen neun Toten handelt es sich um Afroamerikaner. Das Justizministerium und die Bundespolizei FBI nahmen Ermittlungen wegen des Verdachts des Rassismus auf. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

Eine Überlebende berichtete laut lokalen Medien, der Täter habe ihr gesagt, er lasse sie leben, damit sie alles erzählen könne, was in der Kirche passiert sei. Es sei aber unklar, ob der Täter seine Opfer bewusst ausgewählt habe, sagte Polizeichef Mullen.

Nach dem Blutbad versammelten sich Gemeindemitglieder in der Nähe der Kirche und beteten. "Alles, was wir brauchen, ist Frieden", meinte ein junger Mann. Bürgermeister Riley rief die Bewohner der Stadt auf, angesichts des Verbrechens enger zusammenzurücken.

© Süddeutsche.de/dpa/fued/cmy
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