Zerstörte Kathedrale Notre-Dame Französische Milliardäre haben noch keinen Cent gespendet

Die Pariser Kathedrale Notre-Dame mit den Aufbauten für die Rekonstruktionsarbeiten. Das Bauwerk dürfte auf Jahre geschlossen bleiben.

(Foto: Joel Saget/AFP)

Kurz nach der Brandkatastrophe sagten einige der reichsten Franzosen Hunderte Millionen Euro an Hilfsgeldern für Notre-Dame zu. Bisher aber kommt das Geld für den Wiederaufbau vor allem von Kleinspendern.

Medienwirksam hatten französische Milliardäre nach dem Brand in der Pariser Kathedrale Notre Dame dreistellige Millionensummen für den Wiederaufbau versprochen. Milliardär und Luxuskonzern-Eigner Bernard Arnault (Platz 4 der Forbes-Liste, geschätztes Vermögen 75 Milliarden US-Dollar) wollte genauso spenden wie François Pinault (Forbes-Liste Nr. 30, knapp 30 Milliarden US-Dollar), doch bisher ist von ihnen noch kein Geld geflossen.

"Die großen Spender haben nicht gezahlt. Nicht einen Cent", sagte Notre-Dame-Pressesprecher André Finot am Freitag. Stattdessen seien es vor allem Kleinspender, die mit Spenden für Stiftungen wie Fondation Notre Dame und Friends of Notre Dame für die Gehälter der bis zu 150 Arbeiter aufgekommen seien, die auf der Baustelle arbeiten.

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In der Kathedrale war Mitte April ein Feuer ausgebrochen - das Dach wurde fast vollständig zerstört, ein Turm stürzte ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach damals, Notre-Dame innerhalb der kommenden fünf Jahre wiederaufzubauen.

Die großen Spender wollten erst wissen, wofür das Geld ausgegeben werde, bevor sie es an die Kathedrale gäben, sagte Presseprecher Finot. Und auch sonst ist die Finanzierung schwierig, weil die rechtliche Grundlage für die Bezahlung der Arbeiter fehlt. Daran feilt derzeit das französische Parlament. So ist man bisher ausschließlich auf Spenden angewiesen, um die Arbeiter auch zu bezahlen.

Die Diözese hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Fondation Notre Dame habe bereits 15,7 Millionen Euro erhalten. Finot sagte, die ersten 3,6 Millionen Euro an Stiftungsgeldern würden dieser Tage überwiesen, um für die erste Phase des Wiederaufbaus zu zahlen.

Das eingegangene Geld ist nur ein Bruchteil der Summe, die zugesagt wurde. So versprach etwa Pinault, der mit seiner Firma Artemis unter anderem die Luxusmarken Gucci und Saint Laurent besitzt, 100 Millionen Euro, ebenso wie Patrick Pouyanné vom Energiekonzern Total. Arnault, dessen Konzern LVMH unter anderem Louis Vuitton und Dior im Portfolio hat, sagte 200 Millionen Euro zu, ebenso viel wie die Bettencourt-Schueller-Stiftung des L'Oréal-Imperiums.

Unter den Kleinspendern, die bisher tatsächlich etwas gegeben haben, sind auch viele Amerikaner, wie der Vorsitzende der Stiftung Friends of Notre Dame, Michel Picaud, der Nachrichtenagentur AP sagte. Er gehe davon aus, dass 90 Prozent der Spenden, die seine Stiftung erhalten habe, aus den USA stammten.

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