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Notfälle - Magdeburg:Bergwacht: Wanderer im Harz meist schlecht informiert

Schierke/Magdeburg (dpa/sa) - Wanderer und andere Touristen sind aus Sicht der Bergwacht Harz oft schlecht auf die Ausflüge im Gebirge vorbereitet. "Unsere Rettungskräfte merken immer wieder, wie schwer sich die Menschen damit tun, eine Ortsangabe zu machen", erklärte die Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Sachsen-Anhalt, Annemarie Söder, in Magdeburg.

Nur wenige Touristen könnten beispielsweise ihre Koordinaten per GPS bekanntgeben. "Dafür gibt es spezielle Apps, mit denen man sich im Vorfeld zuhause beschäftigen sollte", sagte Söder. Radfahrer und Wanderer sollten zudem sagen können, woher sie kämen und wohin der Ausflug gehe. "Solche Informationen helfen den Rettungskräften der Bergwacht ungemein. Jede Minute, in der man den Patienten sucht, ist im Notfall verlorene Zeit."

Allein in diesem Sommer rückten die Retter der Bergwacht Harz allein auf der sachsen-anhaltischen Seite zu 35 Einsätzen aus. Im gesamten Vorjahr waren es 106 Einsätze. Zum Vergleich: 2012 hatte es lediglich 56 Einsätze gegeben.

Neben den Problemen mit den Ortsangaben überschätzten sich auch viele Menschen. "Oft müssen wir Wanderern helfen, weil sie sich nicht auf die Wetterlagen im Harz vorbereiten, unpassend gekleidet sind und dadurch in Notsituationen geraten", sagte der Landesleiter der Bergwacht Harz, Heiner Jentsch. Im vergangenen Jahr war der Großteil der Einsätze in Not geratenen Wanderern geschuldet. Insgesamt halfen die Retter knapp 80 Mal. Auch Radfahrer und Kletterer wurden 2018 gerettet.

Um den Menschen besser zu helfen, gebe es das ganze Jahr über Ausbildungen. Am Samstag etwa ist nach DRK-Angaben in Schierke im Harz das Abschlusstraining vor der Prüfung "Sommerrettung" geplant. Als Vorbereitung auf den nahenden Winter beschäftigten sich die Rettungskräfte aber auch mit verschiedenen Verletzungen. "Dazu zählen vor allem Verletzungen der Beine - speziell der Knie und der Knöchel, die beim Skifahren oder beim Langlauf entstehen", erklärte Söder weiter. Aber auch Unterkühlungen seien ein wichtiges Thema. Jeder Wanderer sollte für sich oder zur Ersten Hilfe anderer eine Rettungsdecke und warme Getränke dabei haben, so die Sprecherin.

Um zu den teils abgelegenen Orten, an denen sich die in Not geratenen Menschen befinden, zu kommen, sei die Bergwacht unter anderem mit Motorschlitten, Quads und Geländewagen ausgestattet, hieß es. "Der Rest des Weges zum Patienten wird zu Fuß zurückgelegt", sagte Söder. Dabei würden sogenannten Vakuum-Schienen - sprich Schienen aus einer flexiblen und luftdichten Kunststoffhülle - oder Vakuum-Matratzen, die vor allem bei Frakturen oder Wirbelsäulenverletzungen zum Einsatz kommen, helfen. Aber auch Fels-Kletter- und Sicherungsmaterial, Gebirgstragen, Ski und Schneeschuhe gehörten zur Ausrüstung der Retter.