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Norwegen:Die Geister, die die Prinzessin rief

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"Ich bin eine Prinzessin, ich bin so geboren": Märtha Louise, 48.

(Foto: Ragnar Singsaas/Getty)

Ihr Freund, der Schamane, berichtet auch über ihre Orgasmusfrequenz. Nun bewirbt die norwegische Prinzessin Märtha Louise mit Begeisterung sein seltsames Buch. Und die Norweger ärgern sich. Mal wieder.

"Spirit Hacking" heißt das Buch, das den Norwegern diese Woche erspart geblieben ist: Die Veröffentlichung war für Mitte dieser Woche geplant, der Verlag Cappelen Damm zog es in letzter Minute zurück. Davor aber hatte es noch für einigen Wirbel gesorgt. Das lag zum Teil an seinem Inhalt: Das Buch erklärt Krebserkrankungen auch mit dem Todeswunsch der Betroffenen, krebskranke Kinder beispielsweise würden mit ihrer Erkrankung zu verstehen geben, dass sie unglücklich seien und einfach nicht mehr hier sein wollten. Die Aufregung um das Buch lag aber wohl noch mehr am Autor und an dessen Freundin.

"Shaman Durek" nennt der Autor sich. Der 45-Jährige heißt eigentlich Durek Verrett, sagt von sich selbst, er sei Schamane in sechster Generation, und lebt in Los Angeles, wo ihn sein Schamanentum in allerlei glamouröse Gesellschaft gespült hat, die Schauspielerin Gwyneth Paltrow nennt ihn "Bro". Vor allem aber ist er seit Frühjahr diesen Jahres der neue Liebhaber und Freund der 48-jährigen Märtha Louise von Norwegen, von der einerseits schon seit vielen Jahren bekannt ist, dass sie etwas übrig hat für Geister und Schamanen, die andererseits aber als ältestes Kind von König Harald und Königin Sonja ins norwegische Königshaus geboren wurde. Eine Prinzessin.

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Prinzessin Märtha Louise pries das Buch ihres Freundes auf Instagram in höchsten Tönen. Das stieß den Norwegern sauer auf, nicht nur wegen des als unverantwortlich angegriffenen Krebsgeschwafels. Die Prinzessin und der Schamane beschäftigen die Nation schon etwas länger: seit Mai. Damals tingelten die beiden durchs Land, um esoterisch interessierten Norwegern zu zeigen, "wie sie ihr göttliches Selbst entdecken" können, in Workshops, für die sie unter diesem Titel warben: "Die Prinzessin und der Schamane".

"Katastrophal" für den Ruf der Königsfamilie

Dass Schamane Durek nebenbei in Podcasts die Welt an der Orgasmusfrequenz seiner royalen Freundin teilhaben ließ, erregte dabei nicht so viel Anstoß wie die Tatsache, dass Märtha Louise einmal mehr ihren königlichen Titel zum Geldverdienen einsetzte. Märtha Louises Verhalten sei "katastrophal" für den Ruf der Königsfamilie kommentierte die Zeitung Dagsavisen die Tournee des Paares.

Die Kritik war nicht neu: Märtha Louise bekommt sie schon lange zu hören, vor allem, seit sie 2007 gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin eine "Engelsschule" eröffnete, in der sie gegen gutes Geld Menschen helfen wollte, mit ihren Schutzengeln in Kontakt zu treten. Und all die Jahre weigerte sich Märtha Louise, ihren Titel abzulegen: "Ich bin eine Prinzessin, ich bin so geboren", sagte sie noch im Mai im Morgenmagazin des Senders TV2. Das Königshaus allerdings vernahm das Anschwellen der Kritik, ein Sprecher erklärte im selben Monat, man sei "im Dialog mit der Prinzessin, was das Marketing ihrer Geschäfte angeht". Und nach ein paar Monaten Dialog dann, im August, kam die Wende: Märtha Louise gestand "Fehler" ein, und gelobte, in Zukunft jenseits ihrer Verpflichtungen fürs Königshaus auf den Prinzessinnentitel verzichten zu wollen.

Für kurze Zeit war Ruhe. Bis zu dem Streit um das neue Buch von Shaman Durek. Der nämlich holte nach der Absage des norwegischen Verlages in einem Video zu einem zornigen Rundumschlag aus gegen die Norweger und ihre Medien vor allem: "Sie mobben meine Liebste, sie mobben mich, um ihre Zeitungen zu verkaufen. Es ist eine Schande." Norwegens Zensur, polterte er gar fälschlicherweise, habe sein Buch verboten.

Anfang dieser Woche entschuldigte sich der Schamane für seinen Wutausbruch. Norwegen sei "ein wunderschönes Land mit wunderschönen Menschen", er habe "viel Respekt und Liebe für das Land". Denn: "Natürlich ist meine Freundin, wie alle wissen, die Prinzessin von Norwegen."

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