SZ-Kolumne "Bester Dinge":Unterm Asi-Toaster

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(Foto: dpa)

Auf Helgoland sind gerade Hunderte Kegelrobben zu sehen, die um den besten Liegeplatz am Strand kämpfen. Das seltene Naturschauspiel erinnert an das Gehabe sonnenhungriger Touristen am Mittelmeer.

Von Kerstin Lottritz

Ein seltenes Naturschauspiel ist derzeit auf der Helgoländer Düne mitten in der Nordsee zu beobachten. Der Strand ist dicht bevölkert, nicht von Badetouristen, sondern von Kegelrobben. Bis zu 800 Tiere liegen hier an sonnigen Nachmittagen beieinander. Der Grund für die Siesta: Die Kegelrobben werfen ihr Winterfell ab, wodurch der Stoffwechsel auf Hochtouren läuft. Der durch die Zeitumstellung geplagte Mensch kann das verstehen: Bei so viel Energieverlust bleibt nur noch, den Tag faulenzend in der Sonne zu verbringen.

Eine Seltenheit ist das vor allem deshalb, weil die deutsche Nordseeküste viele Jahre lang quasi frei von Kegelrobben war; sie waren der Jagd zum Opfer gefallen. Die dunklen Knopfaugen und bulligen Körper mögen darüber hinwegtäuschen: Sie sind die größten in Deutschland lebenden Raubtiere. Die bis zu 300 Kilo schweren Tiere futtern am liebsten Fisch, bis zu zehn Kilo am Tag - zum Leidwesen der Nordseefischer. Touristen allerdings wird es freuen, dass sie nun auf einen Schlag Hunderte Kegelrobben fotografieren können. Zu verdanken haben sie das Naturschützern, die die Tiere hier seit den 80er-Jahren wieder ansiedeln - und zwar so erfolgreich, dass sie nun eben um den sonnigsten Liegeplatz am Wasser kämpfen.

Ein ähnliches Naturschauspiel kann man sonst nur in den Sommermonaten an den Stränden der Adria oder Mallorcas beobachten, wenn sich sonnenunterversorgte Touristen dicht gedrängt im Sand toasten und zur Abkühlung, statt ins Mittelmeer zu tauchen, reichlich Bier trinken. Nur staunt darüber kein Naturliebhaber mit Kamera, sondern höchstens ein heimischer Eisverkäufer.

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