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Sexueller Missbrauch:Mehr als zehn Jahre Haft für Pflegevater

Urteil gegen Pflegevater erwartet

Der Angeklagte betritt kurz vor Prozessbeginn in Handschellen den Gerichtssaal.

(Foto: dpa)
  • Ein Mann aus Krefeld hatte ich als Pflegevater in Niedersachsen jahrelang an mehreren Jungen vergangen.
  • Nun ist er zu einer Gefängngisstrafe von zehn Jahren und drei Monaten verurteilt worden.
  • Zudem ordnete das Landgericht Aurich am Dienstag Sicherungsverwahrung an.

Ein 57-Jähriger ist wegen sexuellen Missbrauchs mehrerer Pflegekinder zu zehn Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Zudem ordnete das Landgericht Aurich am Dienstag Sicherungsverwahrung an. Das hatte ein psychiatrischer Gutachter zuvor empfohlen, da der Angeklagte pädophil sei. Bei seiner Haftentlassung wäre der Mann 67 Jahre alt - und könnte weitere Straftaten begehen und sich Zugang zu Kindern verschaffen, begründete der Richter die Sicherungsverwahrung.

Das bedeutet, dass der Mann theoretisch unbegrenzt eingesperrt bleiben kann. Der Angeklagte habe jede Gelegenheit genutzt, um sich an den Kindern zu vergehen: unter der Dusche, im Kinderzimmer, im Wohnwagen oder im Griechenlandurlaub. Dies hätten die Geschädigten glaubhaft und plausibel dargestellt, sagte der Vorsitzende Richter Malte Sanders in seiner Urteilsbegründung. Die Plädoyers waren unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten worden.

Der ehemalige Zeitsoldat, der nach eigenen Angaben bei der Bundeswehr selbst Opfer sexuellen Missbrauchs wurde, verging sich regelmäßig, teils mehrmals an einem Wochenende an den Kindern. Diese waren in Obhut bei ihm und seiner Ehefrau. Die Frau ließ sich während des seit dem 11. Juli laufenden Gerichtsverfahrens von ihm scheiden.

Es habe nicht alles aufgeklärt werden können, bedauerte Sanders. Von der "Spitze des Eisberges" zu sprechen, sei nicht abwegig. Weitere Verfahren seien anhängig. Die Opfer waren teils als Nebenkläger in dem Prozess vertreten, wo sie nur wenige Meter von ihrem früheren Peiniger entfernt saßen. Der wurde mit Handschellen in den Saal geführt. Schwarzes T-Shirt, kurz geschorene Haare, Hornbrille. Das Urteil nahm er regungslos entgegen. Er habe die Taten verharmlosen und als Missverständnisse darstellen wollen, sagte der Richter. Zudem habe er den Kindern die Verantwortung zugeschoben. Dies seien klassische Muster von Sexualstraftätern.

Der in Krefeld geborene Deutsche hatte sich als Pflegevater in Aurich, Großefehn und Großheide jahrelang an mehreren Jungen vergangen. Angeklagt war er in mehr als 100 Fällen im Zeitraum von 1999 bis 2014 gewesen, verurteilt wurde er wegen 89 Fällen sexuellen Missbrauchs. Die Opfer waren zur Tatzeit fünf, neun oder zehn Jahre alt oder im Jugendlichen-Alter, darunter auch zwei seiner Neffen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, eine Revision ist möglich.

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