Niedersachsen Lehrerin ergaunert mit gefälschten Rezepten 900 000 Euro

Niedersachsen, Osnabrück: Außenaufnahme vom Landgericht.

(Foto: dpa)
  • Vier Jahre lang betrog eine inzwischen pensionierte Realschullehrerin die Beihilfestelle Niedersachsen mit gefälschten Arzneirezepten und Rechnungen.
  • Sie verursachte damit einen Schaden von über 900 000 Euro.
  • Jetzt wurde die Frau zu fast drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Es ist schwer zu glauben, dass niemand bemerkte, wie dreist sich eine Realschullehrerin ihr Gehalt aufbesserte. Schließlich lebte Gisela O. ihren unrechtmäßig erworbenen Reichtum nicht gerade heimlich aus: Mehr als 900 000 Euro hat sich die mittlerweile 66-Jährige pensonierte Beamtin durch Rezept- und Rechnungsfälschungen ergaunert. Vieles davon gab sie für Luxusartikel wie Designer-Handtaschen oder Füller aus.

Das Osnabrücker Landgericht verurteilte sie nun wegen Beihilfebetrugs zu einer Freiheitstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten gefordert. Die Verteidigung sprach sich für eine Bewährungsstrafe aus. O. räumte die Vorwürfe schon zu Beginn des Prozesses ein. Ihr Eigentum, darunter Schmuck, Porzellan und 60 Designerhandtaschen, wurde beschlagnahmt - um den entstandenen Schaden wenigstens zum Teil auszugleichen. Die Gegenstände werden nun versteigert. Ihr Haus ist bereits für 488 000 Euro verkauft, das Geld ging vorerst an die Staatsanwaltschaft.

Die Beamtin nutzte ihre chronische Krankheit aus, um die Beihilfestelle Niedersachsen zu betrügen. Sie bearbeitete ihre Originalrezepte und Rechnungen so, dass sie sie nicht nur einmal, sondern bis zu zehnmal bei der Beihilfestelle abrechnen konnte - ohne die angegebenen Medikamente bei der Apotheke abgeholt und gezahlt zu haben. Der Spiegel berichtete, dass der Verteidiger Frank Otten dazu vor Gericht gesagt haben soll: "Man wundert sich, dass das so fröhlich durchgewinkt wurde", und: "Wie kann das eigentlich sein?"

Um die Arzneirezepte möglichst echt aussehen zu lassen, wurde die Frau handwerklich kreativ: Mit Nagelschere, Kopierer und einem Stempelabdruck bearbeitete sie die Rezepte - in Zeiten digitaler Bildbearbeitung nur schwer vorstellbar. In den Jahren zwischen 2012 und 2016 legte die Frau ganze 112 Mal die Nagelschere an. Die gebastelten Fälschungen reichte sie später bei der Beihilfestelle ein und forderte das vorgeblich ausgegebene Geld zurück.

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