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Niedersachsen:Schwer verletztes Clanmitglied reist aus

Mutmaßliches Clan-Mitglied in MHH

Ein Hubschrauber der Bundespolizei startet am Hubschrauberlandeplatz der Medizinischen Hochschule Hannover.

(Foto: dpa)
  • Igor K. aus Montenegro ist nach zweiwöchiger Behandlung seiner Schussverletzungen in der Medizinischen Hochschule Hannover nach Istanbul ausgereist.
  • Die Stadt Hannover hatte ihn zuvor in enger Abstimmung mit dem Innenministerium ausgewiesen.
  • Niedersachsen macht sich allerdings wenig Hoffnung, dem Mann den aufwendigen Polizeischutz in Rechnung stellen zu können.

Ein mutmaßliches Mafia-Mitglied hat nach zwei Wochen die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) verlassen. Der 35-jährige Igor K. aus Montenegro sei per Helikopter der Bundespolizei auf dem Weg zum Flughafen, sagten Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums und der Polizei am Freitag. Das Ziel ist Istanbul.

Der 35-Jährige soll in eine blutige Clan-Fehde um Drogengeschäfte verwickelt sein. Bereits am 7. Februar war er aus Montenegro eingeflogen, um seine 27 Schussverletzungen behandeln zu lassen.

An der MHH spielten sich deshalb Szenen wie aus einem Thriller ab - Polizisten standen mit Maschinenpistolen am Haupteingang, bewaffnete Beamte mit Helmen und schusssicheren Westen an den Aufzügen oder in der Notaufnahme.

Die Frage, wer die Kosten dieser Aktion übernehmen soll, führte in der Öffentlichkeit zu Streit. Der Steuerzahlerbund verlangte etwa, die immensen Kosten für den Einsatz dem Privatpatienten in Rechnung zu stellen. Auch die Ehefrau des 35-Jährigen, die in einem Hotel in der Nähe wohnte, wurde bewacht.

Dass der Mann ausgewiesen wird, hatte die Stadt Hannover in enger Abstimmung mit dem Ministerium am Donnerstag beschlossen. Nach Angaben von Innenminister Boris Pistorius (SPD) - und unter Berufung auf MHH-Einschätzungen - ist er reisefähig. Seiner Ausreise stehe daher nichts im Wege.

Land bleibt wohl auf Kosten für Schutz von Clan-Mitglied sitzen

Pistorius sprach am Freitag von einer guten Nachricht für das Personal sowie die Patientinnen und Patienten der Krankenhauses - und für die Polizei. "Ich bin froh, dass diese unnötige Episode jetzt ein Ende gefunden hat", sagte er.

Niedersachsen macht sich allerdings wenig Hoffnung, dem Mann den aufwendigen Polizeischutz in Rechnung stellen zu können. "Wir prüfen noch, ob das nicht irgendwie möglich ist", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Gerichtsentscheidungen zur Frage, in welchem Fall die Polizei Einsätze in Rechnung stellen kann, seien sehr unterschiedlich ausgefallen.

Bei dem mutmaßlichen Clan-Mitglied habe der Polizeischutz nicht nur ihm selber, sondern auch dem Personal und den Besuchern der Klinik gegolten.

© SZ/dpa/mpu/afis
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