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Niedersachsen:Ein paar Stunden Freiheit

Die Polizei schnappt in einer Wohnung in Ostfriesland fünf Ausbrecher aus Zeven-Brauel. Knapp 24 Stunden zuvor waren die Straftäter mit einem erbeuteten Schlüssel geflohen.

Am Abend hatte angeblich noch jede Spur gefehlt, aber in der Nacht zum Dienstag wurden die fünf Ausbrecher aus Niedersachsen dann doch erwischt. Nach Mitternacht stellten Polizisten in einer Wohnung im ostfriesischen Leer die Männer, die ungefähr 24 Stunden zuvor aus der Maßregelvollzugsanstalt im Zevener Stadtteil Brauel entwischt waren. Die drogenabhängigen Straftäter saßen dort wegen Diebstahls, Erpressung, Rauschgifthandel und schwerer Körperverletzung ein und hatten auf ihrer Flucht zwei Pfleger und einen Wachmann gefesselt. Mit einem erbeuteten Schlüssel gelangten sie durch ein Tor ins Freie.

Die Fahnder waren zunächst ratlos gewesen, jedenfalls offiziell. Später wurden sie aber fündig, die gesuchten Männer im Alter von 22 bis 28 Jahren und eine mutmaßliche Helferin ließen sich ohne Widerstand verhaften. Das Bundesland hatten die als gefährlich eingestuften Entwichenen also nicht verlassen, sich allerdings gut 160 Kilometer von Brauel entfernt. Drei der Festgenommenen wurden vorläufig in die Justizvollzugsanstalt Oldenburg gebracht, die anderen drei in eine geschlossene Anstalt nach Wehnen.

Diese Einrichtungen sind eine Mischung aus Klinik und Gefängnis für psychisch kranke oder süchtige Delinquenten. In Brauel waren zuletzt mehrere Insassen geflüchtet, nun erstmals seit 18 Jahren wieder unter Anwendung von Gewalt. Man werde analysieren, wie man Personal und Bevölkerung besser schützen könne, verspricht die Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD). Kameras und fast fünf Meter hohe Zäune mit Stacheldraht hatten in diesem Fall ja nichts genützt, künftig soll die Überwachung verlässlicher organisiert werden. Lockerungen wie gelegentlicher Freigang war den zwischenzeitlich entkommenen Patienten beziehungsweise Häftlingen erst kürzlich entzogen worden, nachdem bei einer Routinekontrolle erneuter Drogenkonsum enttarnt worden war. Jetzt soll für alle fünf eine Verlegung in gewöhnliche Haft beantragt werden.

© SZ vom 28.10.2015
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