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Niederlande:Walflosse stoppt entgleiste U-Bahn

Das Walfluken-Wunder von Spijkenisse in den Niederlanden.

(Foto: Robin Utrecht/AFP)

In Spijkenisse schießt ein Zug über den Prellbock hinaus. Zum Glück steht hinter den Gleisen ein riesiges Kunstwerk.

Von Thomas Kirchner

Kunst kann Leben retten. Wer das nicht wusste, sollte sich die Bilder anschauen, die am Montagmorgen vom niederländischen Spijkenisse aus um die Welt gingen: ein U-Bahn-Waggon, an der Endstation über den Prellbock hinausgeschossen - und vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt durch ein Kunstwerk, eine riesige Schwanzflosse eines Wals aus Kunststoff. Der Fahrer hatte die Bahn nach der letzten Fahrt abstellen wollen und wohl nicht aufgepasst. Er konnte sich befreien, Passagiere waren nicht mehr an Bord.

Es mussten mehrere Umstände zusammenkommen, dass die U-Bahn nicht in das Gewässer stürzte, das die auf Stelzen gebaute Station De Akkers umgibt. Der Kunststoff, aus dem die Fluke hergestellt ist, ist offenbar sehr stabil, auch 20 Jahre nach Entstehung des Werks. Der Waggon hatte die optimale Länge und Geschwindigkeit, um sanft auf der Fluke zum Stehen zu kommen. Und zwar auf der richtigen Seite: Die zweite, hinter dem anderen Gleis liegende Schwanzflosse ist etwas höher und hätte wohl zum Crash geführt.

Von einem "Wunder" sprach der Architekt der Anlage, Maarten Struijs, der am Morgen von Medien befragt wurde und seine Freude nicht verbarg. Er habe nicht erwartet, dass seine Fluke noch stehe, sagte er. Gedacht war sie einmal als Symbol, dass etwas beginnt an dieser Stelle: die U-Bahn nach Rotterdam, knapp eine halbe Stunde braucht sie bis dorthin.

U-Bahn-Unfall in den Niederlande

So sieht der Crash aus der Gegenperspektive aus.

(Foto: Jeffrey Groeneweg/dpa)

So ist nun neue Kunst entstanden: die Metro, balancierend auf der Schwanzflosse, in fast zehn Metern Höhe. Sinnbild für alles Mögliche: den Wal, der die Menschen rettet; die prekäre Koexistenz von Natur und Technik. Ein temporäres Werk natürlich, denn schon am Morgen begannen die Bergungsarbeiten. Er wolle schauen, dass er ein paar schöne Bilder davon ergattere, bevor eine Stütze unter seine Fluke platziert werde, sagte Struijs. Darum muss er sich nicht sorgen, das Internet ist voll davon. Manche Künstler müssen jahrelang planen und bauen für eine vergleichbare Konstruktion. Struijs selbst erinnerte an den "Roten BMW", dessen vordere Hälfte seit 1987 aus der tristen Front eines Parkhauses in Rotterdam ragt - eine Arbeit des Pop-Art-Kollektivs Kunst & Vaarwerk.

© SZ/nas/cat
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