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Newtown nach dem Massaker:Unter Schock

Die Bluttat an einer Grundschule in Newtown im US-Staat Connecticut mit 28 Toten hat die USA tief getroffen. In der Kleinstadt, die von Fernsehteams belagert wird, versammeln sich Hunderte an einer Kirche, viele schluchzen, suchen Halt. Immer mehr Augenzeugen melden sich zu Wort. Für viele bleibt das Geschehene dennoch unbeschreiblich. Und unfassbar.

Die Dunkelheit hat sich über Newtown gelegt, doch vor der katholischen Backsteinkirche bleibt es hell in dieser Nacht. Scheinwerfer verwandeln den Parkplatz und den kleinen Grünstreifen zu einer Kulisse für die Abendnachrichten.

Fernsehteams filmen die Fassungslosigkeit und die Trauer in den Gesichtern der Bürger, die sich hier am Freitag versammelt haben. Fast regungslos stehen die Menschen da, hunderte sind es. Sie harren unter dem säulengestützten Vordach aus, trotzen der Kälte. Sie drängen sich vor den Fenstern und dem geöffneten Hintereingang. Einige liegen sich in den Armen, viele schluchzen, manche singen leise. Von drinnen, aus dem überfüllten Kirchenschiff, dringen Orgelklänge.

Etwas abseits, unter einem kleinen hölzernen Kreuz, flackern Kerzen. Eine für jedes Opfer. Insgesamt 28 Menschenleben sind wenige Stunden zuvor erloschen, keine fünf Minuten entfernt in der Sandy Hook Elementary School und in einem Wohnhaus. 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren und sieben Erwachsene starben durch die Schüsse eines Amokläufers, bevor der sich selbst das Leben nahm. Inzwischen haben die Behörden den Todesschützen identifiziert. Adam Lanza, selbst gerade 20 Jahre alt, hat das Unbegreifliche getan.

In einem schwarzen Kampfanzug und mit einer kugelsicheren Weste am Körper soll der Mann in die Grundschule eingedrungen sein und das Feuer eröffnet haben. Lanza tötete mit höllischer Präzision. Nur einer der Getroffenen überlebte verletzt. Alle anderen starben im Kugelhagel. Augenzeugen berichten von bis zu 100 Schüssen.

Tat mit legalen und registrierten Waffen

Lehrer versuchten in Panik, ihre Schüler in Sicherheit zu bringen. Einige Kinder versteckten sich in einer Toilette, andere in einem Schrank. Als alles vorbei war, konnte die Polizei drei Waffen sicherstellen: Ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen. Alle Waffen seien legal erworben worden und auf den Namen der Mutter, Nancy Lanza, registriert, berichteten US-Medien. Auch sie zählt zu den Toten. Adam Lanza soll sie in ihrem Haus am Stadtrand ermordet haben, bevor er sich in ihr Auto setzte, zur Sandy Hook Elementary School fuhr und über die Kinder herfiel.

Die Nachricht von den Schüssen in der Grundschule erreichte David Connors bei der Arbeit. Sofort sprang er in seinen Wagen. "Es war die furchtbarste Fahrt meines Lebens", sagt er. Seine Kinder waren in der Schule, das wusste er. Drillinge in der dritte Klasse. Als Connors schon kurz vor dem Schulgebäude war, sah er die SMS eines Freundes. Seine drei Kinder waren wohlauf, Polizisten hatten sie in ein Feuerwehrhaus geleitet. Dort konnte Connors sie in die Arme schließen. Jetzt schildert er ihre Erlebnisse: "Zuerst dachten die Kinder, dass das alles eine Übung sei", sagt er. "Doch dann hörten sie die ersten Schüsse über die Gegensprechanlage."

Während Connors spricht, tollt hinter ihm eine Schülerschar über den Parkplatz vor der Kirche. Erst langsam werden die Kinder von Newtown begreifen, was an diesem Tag geschehen ist.

© sz.de/plin

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