bedeckt München 17°

SZ-Kolumne "Bester Dinge":Kevin von der 14. Straße

Peter Mercuriound sein Mann mit ihrem adoptierten Sohn
(Foto: Peter Mercurio)

Vor 20 Jahren lief Danny Stewart durch eine U-Bahn-Station in New York, sah ein Bündel am Boden liegen und hob es auf. Es war eine Entscheidung, die sein Leben veränderte.

Von Alexander Menden

Dass die Babys nicht der Storch bringt, weiß man. Wer jedoch behauptet, Babys kämen auch nicht mit der U-Bahn, kennt die Geschichte von Kevin nicht. Am 28. August 2000 rannte Danny Stewart, damals 34, durch die Subway-Station an der 14th Street in New York. Er war spät dran zum Dinner mit seinem Partner Pete Mercurio. Aus dem Augenwinkel sah er ein Bündel auf dem Boden. Erst dachte er, es sei eine Puppe, doch es war ein Baby, das jemand in ein Sweatshirt gewickelt und zurückgelassen hatte. Stewart rief die Polizei, die den Jungen mitnahm.

Das Baby war kurzzeitig in den Nachrichten, die Stewart als guten Samariter feierten. Einige Monate später wurde er zu einer Anhörung geladen, um von der Auffindung des Kindes zu berichten. Am Ende der Sitzung fragte die Richterin etwas, womit Danny Stewart absolut nicht gerechnet hatte: Hätten er und sein Partner nicht Interesse, den Jungen zu adoptieren? Mit seiner eigenen Antwort hatte er ebenso wenig gerechnet: Er sagte Ja. Pete Mercurio war zunächst wenig begeistert. Doch nach "hitzigen Debatten", wie Stewart es jetzt in einem BBC-Interview nannte, stimmte auch er der Adoption zu. Zwei Tage vor Weihnachten holten sie Kevin, so hieß der Junge nun, aus dem Waisenhaus ab.

Als Kevin vier Jahre alt war, konzipierte Mercurio ein Bilderbuch mit der Geschichte seiner Entdeckung. Es wurde Kevins Lieblingsbuch und ist mittlerweile unter dem Titel "Our Subway Baby" publiziert; Kevin studiert Mathe und Computerwissenschaften. Und so wie er es sich vor 20 Jahren nicht vorstellen konnte, Vater zu werden, so unvorstellbar findet Pete Mercurio es heute, kein Vater zu sein.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

© SZ/olkl
Zur SZ-Startseite
Kamel-Ampel

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Ein Trampeltier als Ampeltier

In der Nähe der chinesischen Stadt Dunhuang nimmt eine Kamel-Ampel ihren Betrieb auf. Existiert mitten in der Wüste etwa ein Verkehrsnadelöhr?

Von Titus Arnu

Lesen Sie mehr zum Thema